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Agatha Collins – Oman

Agatha Collins und Akiko Yamamoto hatten – wiedervereint – einen Auftrag von Sultan Tariq Ibn Ziyad Al Said, für den die örtliche Polizei (nach Ansicht des Herrschers) nicht qualifiziert genug war. Die Ansicht des Sultans war in der mittelalterlichen Gesellschaftsform Gesetz – da vertraute er lieber aus irgendeinem Grund einem lesbischen Paar, darunter einer Engländerin und einer Japanerin.

Der Herrscher spielte bis zu einem gewissen Grad mit den Beiden. Besonders interessierte er sich zum Beispiel, wie sie rein technisch machten – in voller Unverschämtheit und Impertinenz. „Sollen wir allen Ernstes Sex produzieren, Euer Hoheit?“, sagten sie. „Und das öffentlich…“

„Ja!“, lautete die knappe Antwort. Der Sultan wartete eine Weile, bis er sagte: „Nur ich werde anwesend sein. Keine Rede von ,vor aller Welt‘! Zeigen Sie mir etwas Schönes, Reines, das mein Herz erfreut!“

Und taten ihm den Gefallen und hatten zunehmend auch Spaß daran. Agatha und Akiko zogen sich spitternackt aus – es war wie eine heilige Handlung. Und sie begannen, langsam einen Liebesakt durchzuführen. Und dann, nachdem sie sich warmgelaufen hatten, immer schneller und rasanter. Den Sultan hatten sie bald vergessen – lebten nur ihre Gefühle füreinander aus.

Dann war lange Zeit Pause…

Bis sich der Herrscher wieder zu Wort meldete: „Und nun zum Geschäft!“

Leyla, die Tochter des Sultans, war verschwunden. Spurlos. Was angesichts des „behüteten“ Lebens, das sie führte, praktisch unmöglich schien. Tariq war außer sich – er wollte das Mädchen zu seiner Nachfolgerin aufbauen. Sie war schließlich sein einziges Kind. Seine Frau, die Herrscherin, war viel zu früh verstorben – und nun oblag die komplette Verantwortung für ihre Erziehung ihm. Er hatte offensichtlich einen Fehler gemacht.

Seine ganze Hoffnung ruhte nun auf Agatha Collins und Akiko Yamamoto, die hoffentlich mit ihren mittlerweile gewonnenen internationalen Erfahrungen Aufklärung in die Sache bringen konnten. Das war eine hohe Erwartung, die sie erfüllen mussten. Und der Sultan war unberechenbar und manchmal sogar gefährlich in seinen oft erratischen Reaktionen, wie sein unverschämtes und impertinentes Beispiel zeigte, dass nur durch Mitspielen von den Beiden abgemildert wurde – sie hatten am Ende Spaß bei der Angelegenheit. So verrückt waren Agatha und Akiko zweifellos.

Das hatte Tariq nicht zuletzt bedacht, als er auf die Zwei verfallen war.

Er stattete sie mit allen Notwendigen aus. Unbegrenzter Kredit, nur die teuerste Unterbringung in den exklusiven 5-Sterne-Hotels. Sogar einen kleinen Privat-Jet stellte er ihnen zur Verfügung – er hatte noch genug andere (und größere) Flugzeuge. Das sollte sie zusätzlich motivieren.

Agatha und Akiko flogen nach London, wo sie wieder im „Malmaison Cheltenham Hotel“ abstiegen. Sie hatten die Absicht, sich zuerst einen schönen Tag zu bereiten, ehe sie Leyla zu suchen begannen. Warum gerade in der britischen Hauptstadt? Sie konnten sich nur auf ihr Bauchgefühl verlassen – das hatte sie nur selten in die Irre geführt. An der Rezeption waren sie schon bekannt – immerhin ließen sie einen stattlichen Obolus zurück. Der Front Office Agent, eine Dame, vermittelte ihnen stets die angesagtesten Clubs. Und sie gingen hin und fanden Leyla, die als Escort-Girl ihr Brot verdiente. So einfach war das manchmal…

Sie machten sich an die Begleitdame heran und diese bot ihnen gleich einen „flotten Dreier“ an. Die Drei gingen in ein vorbereitetes Séparée. Dort kamen sie ohne Umstände zur Sache – Agatha und Akiko verrieten Leyla zunächst nicht, dass ihr Vater sie hergeschickt hatte. Eine späte Rache für seine Dreistigkeit, mit der er sie gezwungen hatte, ihr Innerstes zu entblößen. Dass ihnen das letztendlich Freude bereitet hatte, lag an einem gewissen (neu entdeckten) Exhibitionismus ihrerseits.

Als sie ermattet, aber entspannt auf ihren Kissen ruhten, eröffneten Agatha und Akiko der jungen Frau den wahren Grund ihres Hierseins. Leyla war keineswegs überrascht. „Mir ist schon klar, dass mein erlauchter Vater Großes mit mir vorhat – ich wollte zuvor noch etwas total Anderes erleben, bevor ich in das enge Korsett der Etikette (und das ist besonders knappsitzend in unserem Kulturkreis, namentlich für Frauen) schlüpfen muss!“

„Aber Dein Daddy hat sich furchtbare Sorgen um Dich gemacht!“

„Der und Sorgen! Seinen Willen wollte er durchsetzen, das ist alles! Und nennt ihn nicht ,Daddy‘ – das genaue Gegenteil ist der Fall, wenn Ihr wisst, wie das gemeint ist!“

Die Beiden gaben ihrem Zielobjekt jede Menge Zeit – so rasch würde sich der Sultan gar kein Ergebnis erwarten dürfen. Agatha, Akiko und Leyla gönnten sich einen zweiten Durchgang ihres flotten Dreiers. Sie wurden immer besser – ein mittlerweile in kürzester Zeit routiniertes Team. Danach gingen sie in‘s „Claridge’s“ in der Brook Street, Mayfair – einem, wie könnte anders sein, 5-Stern-Etablissement. Agatha Collins zahlte für den Verdienstentgang des Escort-Girls großzügig und ungeniert – es war ja nicht ihr Geld. Sie nahm es aus der „Kriegskasse“, die an sich keinesfalls zu diesem Zweck errichtet worden war.

Die Collins und die Yamamoto ließen freilich Leyla kaum aus den Augen, diskret zwar, aber immerhin. Dennoch gelang ihr die Flucht. Ausgestattet mit der opulenten Apanage, machte sie sich aus dem „Malmaison“, in das inzwischen auch sie eingezogen war, davon. Mit unbekanntem Ziel – fast könnte man sagen, selbstverständlich.

Nun war guter Rat teuer. Wohin mochte die Tochter des Sultans, die vorübergehend als Escort-Girl arbeitete, sich abgesetzt haben.

„Überallhin!“ – Der Witz, den Akiko fabrizierte, ging hinten los. Agatha fühlte die Verpflichtung, dieser Burleske ein Ende zu bereiten. Aber da mussten sie Leyla erst finden, und so gewann der Witz seine tiefere Bedeutung – überallhin. Sie überlegten krampfhaft, wohin sie sich gewandt haben dürfte – als Liebesdame konnte sie sich in jedem Club der Welt verdingen. Größere Sprachschwierigkeiten waren keine zu erwarten – allenfalls war die verbale Kommunikation etwas eingeschränkt.

Leyla würde natürlich, da sie neben ihrem Mutteridiom perfekt Englisch sprach, den Aufenthalt in einem englischsprachigen Land bevorzugen – aber halt, jeder Mensch landauf landab benützte diesen Jargon, nur Franzosen, Spanier oder Italiener verweigerten grundsätzlich diese Möglichkeit der Verständigung. Agatha und Akiko waren so klug, wie zuvor.

Da hatte Akiko eine plötzliche Eingebung, wie aus heiterem Himmel. Warum nicht Italien, konkret Sizilien, wo bis zum heutigen Tag die Überreste sarazenischer Besiedlung noch immer gegenwärtig waren – ihre große Zeit hatten die Sarazenen unter den Staufern (insbesondere unter Friedrich II.), wo sie völlig frei lebten. Leyla hatte es dorthin gezogen – so musste es sein. Und so war es auch.

Agatha und Akiko reisten ihr nach. Sie kamen versteckt nach Porto Empedocle, wo sie in einer bescheidenen Pension abstiegen – keine Rede mehr von einem 5-Sterne-Logis. Leyla bot ihre Dienste in einem exklusiven Etablissement am Rande der Stadt an. Das Geschäft lief gut – bis die Zwei unvermutet auftauchten.

„Hallo, Leyla! Schön, Dich wiederzusehen. Wir haben uns schon Sorgen um Dich gemacht. Aber dazu bestand offenbar kein Anlass…“. Die leise Ironie ging unter.

„Wir können Dir noch eine letzte Gnadenfrist von einer Woche genehmigen. Allerdings unter strengen Auflagen und unter unserer Aufsicht kannst Du Dich restliches Mal austoben oder was immer Dein Wunsch sein mag!“

Sie zogen selbdritt in die unprätentiöse Absteige, in der Agatha und Akiko schon untergekommen waren. Die Beiden ließen das Mädchen nicht mehr unbeaufsichtigt. Und zwar lückenlos, wenn sich auch dadurch die eine oder andere kuriose Situation ergab. So kamen entweder die Collins oder die Yamamoto einfach zu den „Rendezvous“ mit – den Herren war es mehrheitlich egal, wenn da eine zusätzliche Dame aufkreuzte, noch dazu, wo die Lady fleißig mitmachte und für jede Schandtat bereit war.

Die Drei hingen Extra-Woche daran – so gut gefiel ihnen dieses Arrangement. Ja, sie probierten flotten Vierer aus, wenn sie einen Gentleman besonders attraktiv fanden – das war freilich die absolute Ausnahme. Leyla war brav und schlimm zugleich – brav, was ihre scheinbare Unterwerfung unter den Willen Agathas und Akikos betraf, schlimm, was die immer ärgeren Exzesse (anders konnte man das nicht nennen) anbelangt, die sie mit den Männern aufführte. Aber da hatten die Beiden kräftig mitgemischt.

Und dann war Leyla wieder einmal verschwunden – dank der flächendeckenden Überwachung (diese war gar nicht einfach, denn da musste eine von den Beiden wach bleiben) wurde sie rasch gefunden.

„Was sollen wir mit Dir machen? Wir haben Dir im Rahmen unserer Möglichkeiten sämtliche Freiheiten gegeben – was willst Du noch?“ – „Die Freiheit – bevor ich mich wieder in die Tretmühle begebe, möchte ich die wenigen Augenblicke genießen. Ohne Kontrolle!“ – „Das können wir auf keinen Fall zulassen!“

„Dann tut‘s mir leid. Wir können sofort nach Hause zurückkehren!“

Und so geschah‘s auch. Agatha, Akiko und Leyla bestiegen ihr Flugzeug. Der Sultan erwartete sie dringend – sie hatten ihren Besuch kurz zuvor angekündigt, nachdem er von ihnen die ganze Zeit nichts gehört hatte. Er war reserviert – dabei hatten sie ihm das Wesentliche verschwiegen, nämlich wo sie Leyla gefunden hatten und in welchen Umständen sie gewesen war. Insbesondere die Beschaffenheit ihres Jungfernhäutchens dürfte ihn interessiert haben – aber sie Drei verrieten ihm nichts. Vor allem das Letztgenannte blieb ihr Geheimnis – mochte Leylas späterer Ehemann (wer immer das war) sich den Kopf über das „Desaster“ zerbrechen.

Der Herrscher gab es auf, Näheres zu erfahren. Hauptsache, seine Tochter war wieder unter seinen Fittichen und bereit, seinen Willen zu erfüllen – künftig ohne weitere Mätzchen. Dass ihr etwas fehlte, weil einer der Herren sie zur Frau gemacht hatte, blieb bis auf weiteres, wie gesagt, verborgen.

Tariq ging es scharf an. Er verbarg vor Leyla die Tatsache, dass er die Absicht hatte, sich vor der Zeit zurückzuziehen und nicht auf sein Ableben zu warten. Dementsprechend hatte sie sich noch eine Menge anzueignen, was sie ohne weiteres Murren über sich ergehen ließ. Sie machte sich mit der Etikette des Hofes vertraut, die sie bis jetzt nur am Rande kennengelernt hatte – der Sultan hatte bis zuletzt (bis zum Tod seiner Frau) gehofft, dass ihm ein männlicher Nachfolger geborgen wurde.

Leyla studierte islamisches und westliches Recht, aber auch die arabische Lyrik hatte einen Platz – traditionell werden Qasidah-Verse nur von der Rahmentrommel begleitet. Die zukünftige Herrscherin musste firm sein in der Bedienung der Tar. Als die Zeit gekommen war und der Sultan sie präsentieren konnte, stellte er sie den wichtigsten Würdenträgern des Fürstentums vor, diese erwiesen ihr Ehre.

Aber davon Agatha Collins und Akiko Yamamoto nichts mehr mit – sie hatten sich in Richtung Heimat beziehungsweise Wahlheimat abgesetzt. Um eine Erfahrung reicher…