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DIE GRIECHISCHE KULTURMANAGERIN

Gottfried Hoffmann war aufgeregt – die berühmte griechische Kulturmanagerin namens Melinda Gyzi hatte sich in seinem Büro in der Inneren Stadt angesagt. Er betrieb einen exklusiven Bilderhandel – kein Vergleich mit dem, womit sie sich beschäftigte. Das war schon ein anderes Kaliber und dennoch beehrte sie ihn.

Melinda (wie er sie nennen durfte) hatte aus irgendeinem unerfindlichen Grund einen Narren an ihm gefressen. Sie war eine herbe Schönheit aus Hellas, die an jedem Finger zehn Verehrer haben konnte – da war sie ausgerechnet auf ihn verfallen. Ein zufälliger Besuch ohne konkretes Ziel hatte den Grund für ihre Beziehung gelegt – dabei wollte sie sich einmal nur umsehen.

Ihr Kontakt war anfangs nur lose – dabei dachten von Stund‘ an Melinda in Athen und Gottfried in Wien ständig aneinander. Sie Beide wollten es langsam angehen und ihre fallweise Zweisamkeit genießen. Bis jetzt war nichts Ernsthaftes passiert.

Und sie wussten auch nicht genau, was passieren sollte – die Vorfreude für sie das Entscheidende. Sie waren erfüllt von der Möglichkeit – es knisterte richtig und ausgiebig. Gottfried war zu ihr nach Griechenland gekommen. Er wohnte im Hotel, er vermied es, in ihrem Palais (anders konnte man dieses Logis nicht bezeichnen) nahe dem Parthenon einzuziehen, damit er nicht vorzeitig in Versuchung käme. Es tat sich überhaupt nichts, wenn man von Küssen und Streicheleinheiten absah. Und er kehrte mit quasi leeren Händen nach Österreich zurück – und trotzdem war er in Goldgräberstimmung.

Das war nicht gefehlt: Bei ihrem nächsten Besuch in Wien kündigte Melinda an, dass sie sich gern von Gottfried verführen lassen wollte – und zwar mit jeder nur erdenklichen Konsequenz. Sie folgte ihm nach Döbling, wo er am Stadtrand bescheiden, aber gemütlich wohnte, beileibe nicht vergleichen mit ihrer herrschaftlichen Bleibe. Das war ihr im Moment egal – sie herzte ihn und am Ende schlief sie mit ihm. Das war für sie Beide ein beglückendes Erlebnis.

Melinda sagte: „Du hast sicher etwas zu essen – ich habe einen Mordshunger!“ – Gottfried zauberte irgendwas zusammen.

Dann gingen sie in den Garten hinaus, der an das Haus anschloss, um ihre Mahlzeit zu genießen. Dabei unterbrach sie ihn immer wieder und küsste ihn. Er war völlig passiv vom Sex und ließ das über sich ergehen. Das war ihr gleichgültig, da sie nun die aktive Rolle übernommen hatte. Melinda reizte ihn so lange, bis er wieder bereit war – zu einer Wiederholung.

Dann lagen die Beiden still und ermattet – bis Melinda ihn verließ, um zum Flughafen zu fahren. Gottfried blieb allein zurück mit seinen Gedanken. Und die waren durchaus liebevoll. Er betrachtete seine eigenen Bilder, mit denen er zum ersten Mal herausgerückt war. Seine Partnerin war entzückt von der Farbgebung dieser Ölgemälde, die ihrer Ausdrucks fast wie magisch waren. Sie fuhr heim in der Überzeugung, dass da etwas zu machen wäre im Sinne einer Vermarktung – so dachte sie streng kommerziell.

Die Bilder gefielen ihr zwar, was das esoterisches Empfinden betraf, aber sie hatte auch ein streng kommerzielles Verhältnis zu Kunstwerken – sonst hätte sie ihr Metier verfehlt. Aber dabei hatte sie nicht bedacht, ob ihr neuer Freund überhaupt ein Interesse daran hatte, seine eigenen Werke auszustellen – andernfalls hätte er das längst gemacht.

Die Ressourcen dazu hatte er durch seinen Gemäldehandel allemal. Wenn sein Laden nur nicht einginge, durch die häufige Abwesenheit seines Besitzers – er hatte keine Vertretung, das konnte er sich gar nicht leisten. Er musste äußerst knapp kalkulieren. Er war im In- und Ausland, unterwegs in Maßen – und da brachte immer ein Gemälde oder ein sonstiges Kunstwerk mit. Aber seine Besuche bei Melinda waren sein Privatvergnügen.

Da traf es sich gut, dass sie – bei seinem kommenden Aufenthalt in Athen – mit einem Vorschlag herausrückte, der Gottfried einerseits mit Stolz erfüllte, anderseits mit Zorn darüber, das sie ihn nicht zuerst gefragt hatte. Sie hatte (wie sie‘s mit anderen Künstlern gewohnt, zu machen – das war bei ihr professionell geübte Paxis) über seinen Kopf hinweg entschieden. Da ärgerte ihn maßlos, und konnte sich gar nicht beruhigen.

„Aber der Kulturministerin gefallen Deine Bilder!“ – Melinda war ganz begeistert! -„Vor allem hat sie das Magische, das sie sofort erkannt hat, beeindruckt!“

„Muss ich jetzt vor Ehrfurcht erstarren! Woher hast Du eigentlich meine Bilder? Hast Du sie heimlich mit dem Handy aufgenommen – das war nicht nett!“

„Ich wollte die Angelegenheit etwas beschleunigen!“ – Hier kam wieder die Kulturmanagerin zum Tragen!

Melinda wollte für ihn eine Ausstellung organisieren – die Eröffnung sollte im Beisein der griechischen „Ministerin für Kultur“ (so der offizielle Titel) erfolgen. – „Du musst ja nichts verkaufen, wenn Du nicht willst!“ – Insgeheim hoffte sie aber, dass die Gier nach Anerkennung bei Gottfried überwiegen würde. Wo sind die Kunstwerke nicht besser aufgehoben, in der repräsentativen Umgebung eines Herrenhauses statt in der kärglichen Umgebung eines Hauses in Döbling.

Als er sah, wie sie sein Logis mit derartiger Geringschätzung beurteilte (nachdem sie sich offensichtlich unter anderen Umständen wohl gefühlt hatte), drehte er vollständig durch. Da sich die Rache, kalt genossen, durchaus angenehmer anfühlte, sagte er momentan nichts. Er hob es sich für später auf.

Die Ausstellung in Melindas Sinne statt (in Anwesenheit der Kulturministerin bei der Vernissage). Als es um‘s Geschäft ging, wobei sie sich eine stattliche Provision von den durch die Decke gehenden Preise für die Kunstwerke erhoffte, verweigerte sich Gottfried plötzlich. Er verkaufte nichts!

Melinda war wie vor den Kopf gestoßen – zu ihrem Glück bekam die Ministerin von alldem nichts mehr mit, da sie sich erneut mit anderen Dingen beschäftigt war. Bei der Eröffnung war alles noch in Ordnung – sie hatte ihre Honneurs gemacht und war daraufhin verschwunden. Aber überhäufte die Gyzi den Hoffmann (mit einem Mal waren sie wieder förmlich miteinander, allerdings nicht völlig) – was ihm einfiele, dass er sich alles erlauben würde.

Melinda sagte, dass Gottfried ihr sämtliche materiellen oder immateriellen (was sie damit meinte, blieb unklar) Spesen ersetzen musste. Er erklärte großspurig, dass es daran nicht scheitern sollte, nicht ahnend, was auf ihn hier zukommen würde. „Und wenn ich mir bei meiner Bank auch einen Kredit aufnehmen muss!“

Sie war gerührt! So einen Einsatz hatte sie nicht erwartet!

Für derartige Fälle war sie vorsorglich ohnehin durch ein eigenes Budget abgesichert. Das traf sie in Wirklichkeit nicht – es denn sei durch eine entsprechende Verschlechterung des gesamten Jahresergebnisses, die verkraftbar war. Wenn man überdies betrachtete, wieviel noch immer schwarz in Griechenland abgewickelt wurde, war der Verlust durchaus überschaubar. Melinda musste demzufolge nicht auf das Geld aus Gottfrieds Kredit zurückgreifen.

Sie konnte sich wieder voll und ganz ihrer Liebe widmen, und zwar ohne alle geschäftliche Einschränkungen. Was sie aber nach wie vor beschäftige, war der Grund für seinen Rückzieher.

„Was Du einen Rückzieher nennst, war tatsächlich keiner. Ich hatte nie die Absicht, meine Bilder zu verkaufen. Sicher, es hat mir geschmeichelt, den ganzen Aufwand zu sehen. Noch dazu, wo die Prominenz in Form der zuständigen Ministerin und die vollständige Hierarchie darunter zugegen war. Und dennoch hat sich meine Einstellung nicht verändert. So, nun weißt Du Bescheid! Meine Bilder sind mir richtig an‘s Herz gewachsen – und zwar jedes Einzelne davon!“

Warum darf ein Kunsthändler kein Hobby haben? Zum Beispiel die Malerei. Was hat das damit zu tun, dass Gottfried privat malte? Er hatte noch immer kein Verständnis für Melindas Position – aber musste er ihr auch persönlich böse sein. Sie konnten auch auf einer individuellen Ebene lieben. Was soll das Gefasel? Liebe entwickelte sich erratisch, willkürlich, unberechenbar und unvorhersehbar – wie es in dem bekannten französischen Chanson heißt: „Plus fort que nous!“

So war es mit Melindas und Gottfrieds komplizierter Beziehung, die andererseits auch wieder ganz einfach war – so man das Erratische schlechthin akzeptierte.

Sie führten eine Fern-Romanze der besonderen Art. Sie waren peinlich darauf bedacht, dass bei ihren ureigentümlichen Zusammentreffen kein Wässerchen getrübt wurde. Während sie über WhatsApp (Melinda in Athen, Gottfried in Wien) schon das eine oder andere Mal in die Haare gerieten, hatten sie, soweit es um persönliche Kontakte ging, Funkstille.

Da hatten sie Anderes zu tun – nämlich in Liebe zu machen. Dabei erwiesen sie sich überzärtlich – wenn es, erst ganz am Ende, zur Sache ging, erlaubten sie etwas Wilderes. Dann aber waren wieder hingebungsvoll ezueinander. Das war interessant, als sie Beide schon ganz andere Dinge erlebte hatten.

Gottfried weniger, er hatte seine Zeit mit Onanieren verbracht, bevor dann eine bewusste (ältere) Dame seine Passion für echten Geschlechtsverkehr geweckt hatte – aber Melinda hatte bereits in frühester Jugend eine Affaire nach der anderen hatte, wozu auch die nachmalige Kulturministerin (als sie dieses Amt noch nicht bekleidete) einen Teil beitrug. Die Zwei waren auch später unzertrennlich gewesen und hatten gleichfalls jede Menge amouröser Abenteuer absolviert (als sie als Kulturministerin begonnen hatte).

Hier war der Punkt, an dem Melinda sich von der Politikerin trennte – sie lud sie nach wie vor gerne auf Vernissagen ein, aber damit hatte es sich. Sie hatte künftig andere Pläne, was ihre Freizeitaktivit

(under construction)