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DIE DAME UND IHR STIEFSOHN

Die Dame – eine echte Dame – hatte es sich in ihrem Leben behaglich eingerichtet. Ihr Gatte war vorwiegend auf Geschäftsreisen im Ausland – er war nur zwischen seinen Terminen kurz zu Hause, und da verbrachte er die meiste Zeit am Computer, um Berichte zu schreiben und Tabellen zu erstellen. Und dann ging es dahin zum nächsten Business Trip.

Penelope Stein war nicht so richtig unglücklich mit diesem Arrangement, hatte sie doch ihren Stiefsohn Ben Stein, der mit ihr im gemeinsamen Haushalt lebte, zum Palavern. Vorerst war von nichts Anderem die Rede. Einmal die Woche lud Penelope Ben zu sich in die Küche, wo sie ganz formlos ein köstliches Mahl aufwartete. Anschließend begaben die Beiden in den Salon und machten es sich in zwei Fauteuils gemütlich, nur getrennt durch eine Couch und einen Couchtisch.

Bei den Gesprächen brachte Ben immer wieder vor, dass Penelope in seinen Augen äußerst attraktiv war, und sie dankte ihm für das nette Kompliment, in allen Ehren selbstverständlich – nichts, das ihr Gatte nicht mitkriegen durfte. Beim nächsten derartigen Event rückte Ben auf der Couch auf Tuchfühlung mit ihr. Sie dachte sich nichts dabei – als Ausdruck der besonderen Wertschätzung für sie mochte das hingehen.

Penelope arbeitete halbtags als Verkäuferin für Kurzwaren, nur dass sie auch etwas beitrug zum Familieneinkommen – das große Geld verdiente allemal ihr Gatte. Er war großzügig, verlangte aber von ihr, dass sie genau Buch führte über ihre Ausgaben. Diese musste sie ihm einmal pro Woche über E-Mail (überall in der Welt) berichten – jedenfalls öfter als die Beiden miteinander Sex hatten, nebenbei gesagt.

Sei dem, wie dem sei. Zurück zum Stiefsohn. Das Näherrücken hatte bei Penelope Wallungen ausgelöst, die sie sich zunächst nicht erklären – zu lange hatte sie kein Mann berührt, und wenn es um den Intimverkehr mit ihrem Gatten ging, war sie mittlerweile kalt wie ein Fisch geworden. Sie konnte sich manchmal in ihren kühnsten Träumen die Nummer mit Ben vorstellen – doch schob sie dies entschieden beiseite.

Penelope war Mitte Vierzig und Ben Anfang Zwanzig – der Altersunterschied sprach Bände, sodass sich ein Näherrücken jenseits ihrer speziellen Beziehung von vornherein zu verbieten schien. Aber der Gedanke ließ sie nicht los, dass da mehr war. Auch von Bens Seite.

Sie zog sich eines Tages in ihr Schlafzimmer zurück und machte das, was sie ewig nicht mehr gemacht hatte – sie begann, sich ausgiebig selbst zu befriedigen. Dabei musste sie extra laut gewesen sein, sodass ihr Stiefsohn neugierig wurde. Er schlich auf leisen Sohlen in den Raum und dort sah er die Bescherung – seine Stiefmutter aufgelöst in den letzten Zügen des Orgasmus. Er holte seinen steifen Schwanz hervor und spritzte überall hin.

Penelope sah erst jetzt, nachdem sie sich einigermaßen beruhigt hatte, dieses wirre Ungemach. Sie lachte nur schrill, durchgeknallt und markerschütternd – sie konnte sich gar nicht beruhigen, jetzt, wo das Eis gebrochen war. Ben Stein konnte sich unschwer vorstellen, an wen sie bei ihrem Ausbruch gedacht hatte. Das war er allein und nur er. Gegenwärtig kümmerte sie sich nur um ihn. Das Glücksgefühl für ihn war überwältigend…

Und dann saßen friedlich beim Abendessen, in dem erfüllten Bewusstsein, dass in ihrer beider Leben etwas Entscheidendes geändert hatte. Sie waren ein Paar – das Verhältnis zwischen Stiefmutter und Stiefsohn einmal komplett abgesehen. Das neue Paar herzte und küsste sich, bis zu dem Punkt, an dem sie ihre bisherige Verbindung vergessen – und schliefen zuletzt leidenschaftlich miteinander.

Der Gatte war bei einem seiner seltenen Präsenzen in Wien gelandet. Er hatte dank langjähriger beruflicher Erfahrung ein Gespür dafür, dass etwas nicht stimmte. Als er den Beiden gegenüberstand, wusste er gleich Bescheid – sie hatten eine Liaison begonnen. Er sagte im Moment nichts – das hob er sich für einen späteren Zeitpunkt.

Er bemerkte nur lakonisch: „Na, habt Ihr eine schöne Zeit gehabt!“

Das fast unmerkliche Erröten seiner Frau bestärkte seine Annahme. Er äußerte sich noch immer nicht dazu. Es war ihm gar recht, dass seine Frau und sein Sohn miteinander herummachten. Er stellte im Geist fest, dass sein Sprössling etwas anderes verdient hatte, wie mit vollen Respekt gesagt, dieser alten Vettel. Er beschloss, ein Wörtchen mitzureden.

Nun war Penelope weder alt (sie war eine jener zeitlosen Schönheiten, die ewig jung bleiben), noch war sie eine Vettel (was immer das sein mochte). Sie war intelligent und belesen – und sie war einsam. Darum hatte sie sich mit Ben eingelassen – was für ein häßliches Wort für ihre Beziehung war das? Der Gatte konnte es einfach nicht verstehen. Ging es nur um das unselige Besitzdenken? Weit gefehlt, es ging um mehr!

Das war das ständige Wiederkehren eines uralten Rituals, wie der jungen Liebe, die seit Menschengedenken stets neu erlebt wurde. Es war wie ein Wunder!

Dann kamen bei Penelope erste Zweifel auf – sollte sie Ben wirklich beanspruchen (was ihrer Sicht mit einem „erwachsenen“ Standpunkt legitim war), oder sollte sie ihm den Freiraum lassen, sich von ihr verabschieden (nicht bös gemeint) und sich einen Anderen (sie dachte an jemanden Gleichaltrigen) suchen. Das war der Lauf der Welt.

(under construction)