EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE
Avec notre passé pour guide
On se devrait d’être lucide
Mais notre méfiance est à bout
L’amour est bien plus fort que nous
Hedwig und Walter küssten sich inniglich, obwohl sie beide in aufrechten Beziehungen unterwegs waren. Es war wie im Rausch, der sie erwiesenermaßen und im vollen Bewusstsein untreu werden ließ. Es war wie im Rausch, von dem sie nie wieder aufwachen wollten.
Dann ging‘s an‘s Beichten, denn sie wollten sich nicht einfach so davonstehlen. Das Komische war, dass sie – getrennt voneinander – gar nicht sicher waren, ob sie richtig handelten. Hedwigs und Walters derzeitigen Partner beziehungsweise Partnerinnen machten einen Mordsaufstand – der derzeitige Partner von Hedwig drohte sogar, sich das Leben zu nehmen, was durchaus plausibel erschien, denn er hatte schwere Depressionen. Aber auch die derzeitige Partnerin von Walter stand nicht nach – sie war dabei, einen latenten Skandal aufzudecken, der ihm gefährlich werden konnte.
Sie ließen sich nicht beirren – sie zogen das Ding durch. „Jetzt oder nie!“, war ihre Devise!
Aber so einfach war das nicht – Hedwigs Partner beging tatsächlich Selbstmord, mit der Konsequenz, dass sie einerseits tieftraurig war, andererseits seine Mutter ihr zum Vorwurf machte, dass ihr Sohn noch leben würde, wenn sie nicht – und Blablabla. Walter versuchte sie zu trösten, soweit es ging. Walter hingegen war mit der Tatsache konfrontiert, dass seine Partnerin ihre Drohungen wahr gemacht hatte und das vertrauliche Gespräch, das sie zufällig mitgehört hatte und das ihm und vor allem seinen Vorgesetzten Kopf und Kragen kosten würde – und Blablabla. Hedwig versuchte ihrerseits, Walter zu trösten, soweit es ging.
Hedwig und Walter waren zunächst am Boden zerstört – nur langsam rappelten sie sich wieder auf. Ihrer neuentdeckten Liebe tat das keinen Abbruch. Aber ein erster Schatten war auf ihre Beziehung gefallen – sie merkten es selber nur nicht sofort.
Sie gingen auf‘s Ganze – geistig und sexuell. Sie probierten alles aus, in beiderlei Hinsicht. Sie waren begeisterte Tänzer, wo beide Facetten in wunderbarer Weise vereint waren. Das Tanzen war überhaupt ihre Leidenschaft – anders das ihre bisherigen Partner gewesen waren. Sie freuten sich, wenn sie von einer Tanzveranstaltung heimkamen und, nach einem ausgiebigen Mahl, Sex hatten. Das genossen sie wirklich ausführlich – manchmal, wenn sie sehr müde waren, reichte ihnen auch ein Quickie aus.
Beruflich gingen sie ganz normale Wege – Hedwig war als Geschäftsführerin in einem Autohaus in der City tätig, Walter als Abteilungsleiter einer großen Bank ebenfalls im ersten Wiener Gemeindebezirk. So waren sie sich begegnet – ganz banal, indem Hedwig einen Kredit beantragte, über den Walter zu entscheiden hatte. Dann war man sich näher gekommen – und zwar über ihre jeweiligen Steckenpferde: Bei Hedwig es das Klavierspiel, Walter bevorzugte eine andere Kunstgattung, nämlich das Schreiben von Romanen. Sie hatten beide ihre Berufe nur als Broterwerb gewählt. Sonst wären niemals in‘s Gespräch gekommen. So aber hatten sie sich ineinander verliebt – gegen jede Vernunft.
Das Geheimnis lag in ihrer künstlerischen Betätigung – da wurde einem nie langweilig. Während ihr beruflicher Alltag von einer gewissen Eintönigkeit geprägt war (um es milde auszudrücken), eröffnete die Kunst ihnen den Zugang zu immer kühneren Konstruktionen. Wenn Hedwig sich in Jazz-Synkopen erging, war da keine Grenze der Fantasie zu erkennen – das konnte ewig so weitergehen. Und wenn Walter, der längst die Konventionen hinter sich gelassen, sich zu waghalsigen Passagen der Literatur verstieg, war da erst recht keine Grenze der Fantasie zu erkennen. Und wenn sie sich dann zur Entspannung miteinander schliefen, konnte man die Nachwirkungen insbesondere der Musik noch immer spüren.
Was mussten die Personen empfinden, die das nicht hatten – diesen Ausflug in die Kultur, und sei er noch so kurz. Ging denen überhaupt etwas ab? Oder gaben sie sich mit dem zufrieden, was ihnen das Fernsehen und die Boulevard-Presse bot? Allzu viele Leute liefen mit dem legendären faden Auge herum. Also vermissten etwas, ohne genau zu wissen, was dieses „Etwas“ war. Auch davor waren Hedwig und Walter rechtzeitig geflüchtet. Ohne Rücksicht auf Verluste. Jeder beziehungsweise Jede ist sich selbst der Nächste beziehungsweise die Nächste.
Und so schrieben sie die Vergangenheit endgültig ab. Die Zukunft wartete auf sie, und hatte es in sich. Hedwig und Walter beschlossen in ihrer Freizeit unter einem Pseudonym aufzutreten – „Die verrückten Silberwesen“. Dabei spielte Hedwig am Konzertflügel Jazziges, während Walter die verbindenden Worte sprach. Er hielt sich bewusst im Hintergrund – sie konnte das auch allein schaffen, doch bestand sie darauf, die Sätze zu hören. Insgeheim dachte er, dass die Urgewalt der Musik auch ohne die Texte erlebbar wurde. Walter fasste das als Ausdruck von Hedwigs besonderer Zueignung für ihn.
Sie traten eines Tages (oder sollte angesichts der vorgerückten Stunde besser einer Nacht) im noblen „Constellation Club“ in der Wiener Innenstadt auf, was gleichzeitig einem Adelsprädikat für Hedwig und Walter bedeutete. Nur hatten sie nicht berücksichtigt, dass der Generaldirektor der großen Bank mit seinem Freund, dem Konzernchef eines ungeheuren Firmenkonglomerats, zudem auch Hedwigs Unternehmen zählte, sich regelmäßig zu einem Drink einfand. Die Beiden erkannten Hedwig und Walter sofort, trotz des „liederlichen“ Outfits und der Schminke, die sie reichlich aufgetragen hatten.
„So sieht man sich wieder!“, sagten die Herren in einer Pause, als die Zwei nolens/volens sich ihren obersten Chefs näherten. „Ich liebe Jazz!“, sagte der Generaldirektor, und gab damit sein bestgehütestes Geheimnis preis.
„Aber auf die verbindenden Worte könnte ich gerne verzichten!“, erwiderte der Konzernchef.
„Ich will es so!“ Hedwig trat mit ungeheurer Schärfe auf, die jeden erdenklichen Widerstand im Keim erstickte!
„Lass‘ die Zwei ihren Partikel machen!“ Der Generaldirektor sprach begütigend auf den Konzernchef ein. „Hier hast Du gar nichts zu melden!“
Das Programm ging ohne weitere Störung zu Ende. Die beiden Herren bedankten sich ganz ausdrücklich bei den Künstlern. Und Hedwig und Walter konnten abtauchen – sie waren glücklich, so ungeschoren aus der ganzen Angelegenheit herauszukommen. Der Konzernchef und der Generaldirektor sahen sie ab sofort mit anderen Augen an – und das tat gut…
Überhaupt wurden die übrigen Kolleginnen und Kollegen auf die Zwei aufmerksam, in einer ungewohnten Umgebung zweifellos – während Hedwig normalerweise die toughe Geschäftsfrau hervorkehrte, die sich kein X für U vormachen ließ, und auch Walter, der sich als reiner Zahlenmensch gerierte, als urtrockener Typ. Und die Beiden? sollten jetzt ganz Andere geworden sein. Das glaubten beileibe nicht alle zwar, aber durchaus in ausreichender Zahl – der Rest konnte ihnen gestohlen bleiben. Hauptsache war, dass ihnen ihre obersten Chefs nicht im Wege standen oder wie immer man das ausdrücken wollte.
Hedwig und Walter wählten den „Constellation Club“ als dauerhafte Spielstätte aus, abgesehen von kurzen Gastauftritten in der Fremde, für die es auch schon vereinzelte Anmeldungen gab. Es würde nicht der Schaden insbesondere des „C.C.“ sein – das Geschäft des Clubs wurde ungeheuerlich angekurbelt, seit die Beiden dort auftraten. Es war eine wirkliche Win-Win-Situation. Die Sensation war perfekt, als die frühere Partnerin von Walter mit einem Neuen dort auftauchte – dieser hatte ihr von vornherein die Schnapsidee ausgeredet, dass sie Rache üben müsste. Sie solle statt dessen die Zweisamkeit mit ihm genießen.
So viel Glück hatte Hedwig nicht, ihr früherer Partner war tot – gestorben durch Selbstentleibung. Sie dachte dennoch nicht daran, ihre neue Beziehung auf‘s Spiel zu setzen, aber ein Schatten blieb allemal. Sie durfte auf keinen Fall damit rechnen, dass er in den „Constellation Club“ hereinschneite. Das konnte sie auf Dauer vergessen, so sehr sie sich das auch wünschte – Vergebung sah anders aus. Sie erinnerte sie sich wehmütig an die Zeit mit Ihm, der zweifellos ein schwieriger Typ war. Und er hatte nur von sich geredet, und immer nur von sich. Das war kein Mann für sie.
Rein dienstlich gingen die Beiden relativ rigoros vor – so hätte es keiner beziehungsweise keine in Hedwigs Firma gewagt, sie mit dem Vornamen anzusprechen. Der offizielle Anrede lautete auf Frau Geisslinger. Wie überdies auch in Walters Abteilung das Gleiche galt – mit dem Segen des Generaldirektors war das Du-Wort streng verboten. Also Herr Ziegelbauer. So eisern waren die Bräuche in den zwei Häusern, selbst in der heutigen Zeit, in der eine Inflation der intimsten Bezeichnungen die große Mode war.
Frau Geisslinger verkaufte die meisten Autos von allen, obwohl sie eine Menge Verwaltungskram auch zu bewältigen hatte. Und Herr Ziegelbauer verkaufte die meisten Kredite von allen, obwohl für ihn das Gleiche galt. Sie arbeiten rund um die Uhr. Das schafften sie nur, weil Walter in ihr Anwesen zog, wo die Verhältnisse viel geräumiger erschienen. Schließlich hatte ihr Haus noch ein eigenes Tonstudio, wo sie ihrem Hobby, der Musik, frönte, während er bis jetzt in einer beschiedenen Wohnung das Auslangen fand. Das war kein Wunder – ein einfacher Laptop und einfacher Drucker genügte ihm.
Da schickte es sich füglich, dass er zu Ihr übersiedelte. Auch sonst lernte er die Vorzüge des Anwesens zunehmend zu schätzen – der viele Platz, der es jedem von Ihnen ermöglichte, je nachdem die größere Nähe suchen, wenn Ihnen danach war, und auch wieder auf Distanz zu gehen, wenn dies erforderlich schien. Privat führten sie ein rundum zufriedenes Leben – abgesehen von einer Menge Tätigkeiten, die sie sich aufgehalst hatten. Aber all diese Aktivitäten erfolgten freiwillig.
Umso mehr waren Hedwig und Walter sehr streng, wenn es sich offizielle Belange in beiden Firmen handelte. Da kannten sie keinen Pardon. Dafür lebten sie sie immer stärker ihre „Hobbys“ aus, und immer stärker auch ihre Gemeinsamkeiten – Walter begann zu singen, dabei konnte man eigentlich von Gesang im Wortsinn sprechen. Aber seine Performance hatte ihren eigenen Reiz – während Hedwig ekstatisch in die Tasten schlug.
Da sah die Beiden eines Tages ein Impresario, der wirklich nur zufällig auf einen Drink vorbeikam (ein alltägliches Phänomen im „C.C.“). Aber er war derart beeindruckt von den Darbietungen Hedwigs und Walters, dass er ihnen anbot, gelegentlich in seinem eigenen Etablissement aufzutreten – in einem Club, der gar keinen Namen trug, so exklusiv war der. Der war nur für extreme, verwiegend männliche, Connaisseure zugänglich.
„Sehen Sie es nur einmal in Ruhe an – untertags, wenn es nicht so auffällig ist!“, beschied sie der Unbekannte, der seine wahre Identität nur bekanntgeben wollte, wenn der Deal unter Dach und Fach war. Er sagte ihnen die Adresse und empfahl sich.
Die nächsten Tage waren angefüllt mit Arbeit, sodass Beide gar nicht dazu kamen, ihren Termin bei dem geheimnisvollen Club wahrzunehmen. Aber dann war die Neugier schon so groß, dass sie sich aufmachten, um den Ort zu besuchen. Der mysteriöse Fremde empfing sie bereits am Eingang des Etablissements. Er wirkte entspannt – bis sie das Innere erreicht hatten. Düsternis umfing sie, obwohl im Freien heller Tag geherrscht hatte. Und auch der Tonfall des Unbekannten hatte sich entschieden verändert, nämlich in‘s Negative – Walter und Hedwig gingen davon aus, dass ihnen gar nichts anderes übrig als zuzusagen. Aber wozu genau?
„Nennen Sie mich Luzifer! Das sollte reichen!“
Er hielt mit seinem Ansinnen nicht hinter dem Berg – sie sollten hüllenlos auftreten! Dass das mit dem Pouvoir nicht übereinstimmte, das sie vom Generaldirektor einerseits und vom Konzernchef andererseits erhalten hatten, lag auf der Hand. Und dass sie nicht zurückkonnten, war ebenfalls klar!
Vorwärts – sie mussten da durch. Dabei ging es nachgerade darum, gute Figur zu behalten. Luzifer verlangte, gleich stante pede die Probe auf‘s Exempel zu veranstalten. Hedwig und Walter zogen sich – zugegebenermaßen unspektakulär und eher bieder – aus, was von ihrem Gastgeber mit einem leichten Lächeln quittiert wurde. „Wir müssen noch daran arbeiten – da haben wir ein erkleckliches Stück an Plackerei vor uns. Zumal uns nur wenig Zeit zur Verfügung steht – auf Grund ihrer zahlreichen übrigen Verpflichtungen!“
Er verschwieg ihnen im Augenblick, dass er noch ganz andere Pläne mit ihnen hatte. Beim nächsten Besuch im rätselhaften Club hatten sie schon mehr zu bieten – dank gezielter „Übungen“, die sich intensiv mit den kommenden Auftritten, nur eben nackt. Das müsste im Prinzip gar nicht so schwer sein – es galt lediglich, sich zu überwinden, und für alle Mal ihre natürliche Scham abzulegen. Jetzt ging es darum, nicht untertags, wenn das Lokal vollständig ruhig war, ihre Kunststücke aufzuführen, sondern bei Nacht, wenn das zahlende Publikum da war, ihre Performance abzuziehen. Und da waren kritische Beobachter, Männer hauptsächlich, die die allgemeine weibliche Schönheit in den Vordergrund rückten, aber auch die besonders kritischen Frauen, die vornehmlich den Penis im Visier hatten. Nun, waren die Damen bei Walter mehrheitlich gut bedient. Und erst die Herren, die Hedwigs üppige Formen goutierten.
Walters oberster Chef pflegte seinen engsten Mitarbeitern hinterherzuschnüffeln, nicht dass es einen konkreten Grund gegeben hätte. Aber im Fall des Falles wollte er den entscheidenden Vorsprung haben und rasch aktiv werden zu können. Und Hedwigs oberster Chef stand ihm da nicht im Geringsten nach. Es scheint all denen, die nach oben kommen und dabei eine gewisse Schwelle überschritten, angeboren zu sein, dass sie sich weniger um ihre eigentliche Aufgabe kümmerten und vielmehr am Intrigenspiel teilzuhaben.
Kurzum – es war nur eine Frage der Zeit, bis die beiden Herren die streng verborgene Nebenbeschäftigung herausfanden. Da sie aber nicht selbst in Erscheinung treten konnten, sandten sie irgendwelche Verwandten aus – ein Cousin des Konzernchefs und eine Cousine des Generaldirektors, die sich Zutritt zu dem mysteriösen Club verschafften. Sie waren nebenbei gesagt ein Ehepaar mit Namen Plaisier, womit das Geheimnis der Verbindung der Zwei gelüftet ist.
Frechheit siegt – die Plaisiers gingen einfach hinein und sie waren wie die Fische im Wasser, so vertraut erwiesen sie sich. Sie krumpelten herum, was überall – bei Männern wie bei den spärlich vertretenen Frauen – massiv Anklang fand. Dafür hatten sie sich auch die entsprechenden Outfits gewählt – Frau Plaisier trug eine abenteuerlich hochgesteckte Frisur, eine durchsichtige Bluse (selbstverständlich ohne BH) und einen knappen Rock (hier konnte man erahnen, dass sie das Höschen weggelassen hatte). Herr Plaisier versuchte erst gar nicht, das zu toppen. Aber er bemühte sich redlich in diese Richtung, indem er mit einer engen Hüfthose bekleidet war – dazu ein ebenso durchsichtiges Oberteil, wie bei seiner Partnerin. Zusammen betrachtet waren sie jedenfalls eine Wucht.
Damit machte die Plaisiers sogar Hedwig und Walter Konkurrenz, weil es nicht so sehr um die Nacktheit (was bei den Beiden zweifellos gegeben war, denn sie waren splitternackt) – ausschlaggebend schien eher das gezielte Raffinement, was das Ehepaar perfekt beherrschte. Das war Luzifer gar nicht recht – aber er konnte schwerlich etwas unternehmen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Bevor die Plaisiers das Gesetz des Handelns völlig an sich rissen – und wer weiß, was denen noch alles einfiel, die zogen sich am Ende komplett aus -, wurden sie in die Rolle von Zuschauern verbannt. Die Hauptfiguren waren Hedwig und Walter und das sollte auch so bleiben.
Und bewegten die zwei „Hauptfiguren“ ihre Kreise, wenn auch mit weniger Subtilität ausgestattet – so, als wollten sie ihre ungewohnten Charge gleich wieder loswerden. Luzifer war dementsprechend unzufrieden. Nicht diese Hölzernheit, diese Steifheit und diese – man kann es nicht anders ausdrücken – Plumpheit. Einen Augenblick dachte er daran, die Plaisiers zu engagieren, verwarf diesen Plan gleich wieder – zu unbekannt waren die Beiden. Er beschloss allerdings, nähere Erkundigungen darüber einzuholen. Er biß auf Granit – zu gut waren die Spuren versteckt, die zum Generaldirektor einerseits und zum Konzernchef anderseits führten.
Luzifer konzentrierte sich fürderhin auf die Aufgabe, Hedwig und Walter wieder auf Vordermann zu bringen. Das war gar nicht so einfach – aus purem Zeitmangel. Sie hatten schlichtweg zu wenig freie Perioden angesichts beruflichen Tätigkeit und den Auftritten im „Constellation Club“, die auch nicht missen wollten. Luzifer unterzog sie einem straffen, allerdings von zahlreichen Pausen durchsetzten Programm. Wieso er sich das antat, war bis zu jenem denkwürdigen Tag ein Rätsel, an dem er seine wahren Absichten herausrückte.
Der Club diente zur Tarnung eines riesigen Spionage-Netzwerks!
Jetzt war die Katze aus dem Sack – das Lokal diente nur als Staffage für die dunklen Geschäfte, die dort abgewickelt wurden. Luzifer wollte Hedwig und Walter einmal im Monat als Highlights einsetzen in der anonymen Masse an sonstigen Performances, die davon ablenken sollten, dass dies ganz anderen Zwecken diente. Das war zunächst gründlich in die Hose gegangen – erst langsam fingen sich die Beiden, bevor sie einigermaßen herzeigbar waren. Dann aber ging ihnen der Knopf auf und sie wurden das, wofür sie vorgesehen schienen: Nämlich echte Attraktionen! Sie räkelten sich mittlerweile konvulsivisch und ohne verstandesmäßige Kontrolle – etwas, was ihnen im „C.C.“ nie eingefallen wäre, und das, wie gesagt, lediglich monatlich.
Luzifer hatte im Laufe der Zeit noch andere Aufgaben für Hedwig und Walter, und zwar als Zuträger für ihn zu arbeiten – damit er sich nicht die Hände schmutzig machte. Da schrillten bei den Beiden sämtliche Alarmglocken – sie fürchteten, da nicht mehr herauszukommen, ohne bei ihren jeweiligen Vorgesetzten zu Kreuze zu kriechen. Da stellte sich heraus, dass der Generaldirektor und der Konzernchef bestens informiert waren – durch die Plaisiers.
Die Plaisiers waren es auch, die die Exekution durchzuführen hatten, an Luzifer und an den allfälligen weiteren Teilnehmern des Komplotts. Frau Plaisier ließ es sich besonders angelegen sein, Luzifer zu quälen.
Als erste Maßnahme war Schlafentzug angeordnet – zu diesem Zweck wurden bei heruntergelassenen Rollos die Szene taghell erleuchtet. Wenn immer er die Augen schloß, erfolgte ein Appell. Er hatte aufzustehen und bis zehn zu zählen, bis er auch richtig wach war. Dann stand es ihm frei, sich wieder niederzulegen, bis das nächste Augenflackern andeutete, dass er wieder am Einschlafen war – dann ging die Prozedur vor vorne los. Er bekam nur Wasser und Brot als Nahrungsaufnahme. Und das vollzog sich viele Male – unzählige Male – er kam gar nicht mehr darauf, wie viele Male es gewesen waren. Das unter strenger Aufsicht durch die Plaisier!
Und dann, als er schon total geschafft war, hatte sie ihren großen Auftritt. Sie hatte ein Nichts an Outfit an!
Herr Plaisier musste ihn völlig entkleiden. Gehen fiel ihm schwer und er humpelte nur so herum. Und da zeigte sich, dass in dem Wrack noch Leben war, indem sein Penis sich steil aufrichtete – bei ihrem Anblick. Frau Plaisier war aber nicht faul und sie reizte ihn. Sie weckte seine Begierde – ohne die Intention, diese Begierde jemals zu befriedigen. Und so ging das jetzt stundenlang. Das Paar ließ sich unterdessen die herrlichsten Speisen kommen, während Luzifer hungern musste. Er war mittlerweile auf dem Boden hingestreckt – aber zwischendurch erfassten ihn die alten Gelüste, ohne jede Aussicht auf Befriedigung.
Bei den übrigen Verdächtigen wurden durch das restlichte Gefängnispersonal ähnliche Prozeduren angewandt, vielleicht in der Mehrheit ohne die sexuelle Komponente, wie sie Luzifer appliziert worden war. Zum Schluß wurden sie allesamt in‘s Loch gesteckt – auf Nimmerwiedersehen. Vergessen wurde keiner. Frau und Herr Plaisier waren tief angetan – sie redeten tagelang von nichts anderem. Bevor neue Aufgaben auf sie warteten.
Hedwig und Walter kamen glimpflich davon. Sie arbeiteten wieder ganz normal in ihren jeweiligen Berufen, wo sie streng und unbeugsam waren – von gelegentlichen Ausflügen in den „Constellation Club“ abgesehen, aber diese waren harmlos…