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EINE WUNDERBARE FRAU

Lilli Bachmann war schon als kleines Mädchen etwas was man üblicherweise als „Sonnenschein“ bezeichnet – stets gut aufgelegt und lebensfroh, und wenn sie einmal nicht gut drauf war, verbarg sie das unter einem dicken Panzer aus Eis, der aber niemals an die Oberfläche kam. Sie blieb unverändert eine gut gelaunte Zeitgenossin – selbst jungen Jahren.

Man konnte sie andererseits ein kleines Luder nennen, dass mit konsequenter und stringenter Logik ihre Ziele – ebenfalls bereits in jungen Jahren. Dafür hatte sie schon frühzeitig eine besondere Ader, die es ihr ermöglichte, die größten Unverschämtheiten angenehm verpackt dem staunenden Publikum zu servieren.

Das junge Geschöpf blieb nicht immer klein – mit Zwölf begann sie bewusst, ihre sexuelle Reize einzusetzen. Und sie konnte es sich leisten – frühreif wie sie war, groß gewachsen, und zeitig mit außergewöhnlichen Brüsten ausgestattet. Da hatten die diversen Onkeln es schwer, Zurückhaltung zu üben und sich nicht gleich in ein Abenteuer mit ihr hineinzustürzen. Allein – sie wies alle von vornherein ab und träumte von ihrem Märchenprinz, von dem sie in ihren Gedichten schrieb.

Ja, sie schrieb Gedichte, und sie war auch hier ihrer Lebensphase weit voraus. Die Lyrik war von Trauer geprägt – offensichtlich ein Ventil für ihre sonst gezeigte Lebensfreude. Mit Sechzehn war sie im Vollgefühl ihrer Weiblichkeit – sie plauderte charmant darauf los, und sie hatte echt was zu sagen. Über Politik, wirtschaftliche Fragen und sogar sportliche Ereignisse – keinen Bereich nahm sie aus.

Und was mit dem Sex? Da hatte sie bloß theoretische Erfahrungen – kein Mann hatte bis jetzt ihr Herz erobert. Bis auf einzelne Plänkeleien, die zugegebenermaßen sehr weit gehen konnten – sie hatte beispielsweise nicht die geringste Scheu davor, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen, und ihren jeweiligen Partner (sie hatte deren mehrere zur Hand) bis auf‘s Blut zu reizen und dann kurz vor dem tatsächlichen Vollzug kalt lächelnd zu sagen: „Bis hierher und nicht weiter!“

Es kam, wie es früher oder später kommen musste. Sie war am Ende im Alter von neunzehn Jahren mit einem Kerl konfrontiert, der sich einen Teufel um ihre Spielchen scherte und sie brutal vergewaltigte, dann aber jegliches Interesse an ihr verlor. Sie rannte ihm nach, um ihn zu fragen, warum das gemacht habe. Er sagte: „Normalerweise gehe ich weniger gewalttätigen Mitteln vor, ich lasse mich sogar auf einen „Cour d’amour“ ein. Aber bei Dir hatte von vornherein das Gefühl, dass Du mich ewig hinhalten würdest – also habe ich es auf harte Tour versucht!“

Das stellte Lillis bisheriges Leben auf den Kopf. Und zwar alles, was ihr bis jetzt wichtig war!

Sie soeben das Realgymnasium abgeschlossen. Mit der Schule hatte sie sich bis seit jeher gespielt, namentlich dank ihres eidetischen Gedächtnisses, was ihr besonders in den so genannten „Lernfächern“ sehr entgegenkam. Die Mathematik war ohnehin ein Steckenpferd von ihr – und ganz zu schweigen von ihrem Sprachtalent: Sie konnte sich frühzeitig in fünf Idiomen verständigen, und sie wollte noch mehr. Und erst ihre Lyrik, die ihr besonders am Herzen lag.

Das alles wurde in Frage gestellt – durch diesen einen Akt der Schändung!

Von da an war sie auf Rache gestimmt – an allen Männern. Was bis jetzt als Spiel abgetan werden konnte, jetzt wurde es blutiger Ernst!

Lilli war noch Jungfrau gewesen, bis ein grausamer „Vorfall“ diesen Zustand radikal beendet hatte. Von ihren Eltern bekam sie anlässlich ihrer Matura eine zierliche Wohnung geschenkt, damit sie auf eigenen Füßen stehen konnte, samt zugehöriger kleiner monatlicher Apanage. „Setze sie klug ein!“, sagte der Vater Bachmann, „Dann wird sie sich mehren!“ Ein Finanztipp der ganz speziellen Sorte. „Ja, Papa!“, kommentierte Lilli nur kurz.

Sie hatte diametral andere Pläne mit ihrer Bleibe – sie wollte künftig als Geheimprostituierte tätig sein, da sie als Missbrauchte gleich den anstößigen Beruf ergreifen konnte. Mit ausgesuchten Klienten der gehobenen Klasse, die sie sich allerdings erst bemühen musste. Das würde ihr freilich nicht schwer fallen – mit ihrem Background und ihrer Ausbildung. Die Lyrik gab‘s auf Wunsch gerne hinzu.

In Wien Angehörige der gehobenen Klasse zu finden, erwies als extrem schwierig – es gab nahezu gar keine. Und wenn, dann mieden sie die Öffentlichkeit. Bis Lilli das Glück hatte, jemand aus dem exklusiven „Lions Club“ kennenzulernen. Hier hätte sie die ursprüngliche Absicht auf ein Haar über Bord geworfen – zu zuvorkommend waren die meisten Mitglieder des Clubs, und selbst, wenn sie die sexuellen Dienste der Bachmann in Anspruch nahmen, taten sie das in zuvorkommender Weise. Da fiel es schwer, den Mandanten so richtig böse zu sein.

Lilli war in der Zwickmühle – einerseits wollte sie an ihrer Intention, jeden Mann zu quälen, festhalten, anderseits hatte sie im Club durchaus auch Männern begegnet, die sie trotz ihrer neuentdeckten Profession mit Respekt behandelten, auch wenn die Klienten tief in ihr drinsteckten. Mal sehen, wie sich der Widerspruch auslöste – vielleicht war der Widerspruch nur ein scheinbarer. Es war – bei näherem Licht betrachtet – vollkommen gleichgültig.

Sie beschloss, flexibel vorzugehen. Mal so, dann wieder völlig anders. Sie hatte mit der Zeit auch einen Kundenstamm aufgebaut, der jenseits „Lions Club“ lag. Da schlug sie manchmal zu, wenn einer besonders anlässig war und ihr auf die Nerven ging – da konnte die Handschellen hervorzaubern, mit deren Hilfe sie das Opfer traktierte, das mittels über dem Bett befindlichen Ringes nahezu bewegungsunfähig war. Sie dachte sich immer neue Manöver aus, eines grausamer wie das andere, sodass ihre Kundschaft das Hören und Sehen verging.

Umgekehrt, wenn ihr Jemand sympathisch war, machte sie mehr das als, was gemeinhin von einer Nutte zu erwarten war. Sie legte Gefühl hinzu – wenn das auf die Dauer nur gut ging. Eine Prostituierte mit Emotionen für ihre Kundschaft – wo gab es denn sowas? Aber sollte sie sich nicht einmal verlieben – das stand ihr genauso zu wie jeder anderen Frau. Da hatte sie sich ordentlich getäuscht: die Rechnung wurde ihr postwendend präsentiert.

Selbst die Wohlwollenden unter ihren Mandanten reagierten besorgt: „Was bildet sie sich eigentlich ein – eine Liebedienerin stört unsere Kreise nicht! Was hat bei uns verloren!“ Die weniger Wohlwollenden beschimpften auf das Rüdeste und sagten: „Was will die Bordsteinschwalbe von uns – Liebe, was nimmt sich die Hure da heraus. Sie soll ihrem Gewerbe nachgehen, ihr Ding machen und dann verschwinden!“

Lilli war total schockiert – so dachten die Kunden in Wahrheit über sie!

Wie immer in ihrem Leben hatte sie unverschämtes Glück, wenn auch auf einem anderen Gebiet. Es meldete sich ein schüchterner junger Mann bei ihr. „Gestatten, dass ich mich bei Ihnen vorstelle – mein Name ist Andreas Abendroth.“, sagte er vorsichtig.

„Ich habe aus den vereinzelten Gedichten, die ich in diversen Zeitschriften aus Ihrer Feder gefunden habe, ein Buch gemacht, das ich Ihnen widmen möchte. Ich habe Ihnen das erste Exemplar mitgebracht – selbstverständlich gehen allfällige Tantiemen an Sie, abzüglich eines minimalen Honorar für mich!“

Abendroth blickte Lilli treuherzig an. Sie gab ihm einen Kuss – dabei musste sie zurückhaltend sein, denn er wusste nichts von ihrer aktuellen Profession, und sie hatte nicht die Absicht, ihm reinen Wein einzuschenken und sie war sich gar nicht sicher, ob es jemals dazu kommen würde. Der Kuss fiel jedenfalls empathisch aus, zum nicht geringen Überraschung von Andreas, der das nicht gewöhnt war. Er errötete auch prompt. Sie nahm das verblüfft zur Kenntnis, denn von ihren Freiern wäre eine solche Reaktion keinesfalls erfolgt.

Auf Grund dessen (nämlich das Ausbleiben von Reaktionen durch ihre Freier) versuchte sie umgehend Andreas zu knacken. Sie war an sich ein Bild von einer Frau und sie schaute auf ihr Äußeres. Sie war topgepflegt und selbst in der größten Exstase behielt sie den Kopf oben. Abendroth erwies sich aber als harte Nuss und sie musste ganz gegen ihren Willen aus sich herausgehen. Ihr Haar war wirr und das Make-up war verschmiert, ihre Kleidung war in stärkerer Auflösung begriffen.

Da hatte sie erstmals das Gefühl, dass er sie verarschte – mit seiner scheinbar naiven Attitüde!

Blieb als einziger und entscheidender Punkt die Lyrik. Hier hatte es sich so abgespielt, wie von Abendroth prophezeit: Das Büchlein (denn um mehr handelte es sich nicht) verkaufte sich gut und die Tantiemen, die sie zu Quartalsende erhielt, konnten sich durchaus sehen lassen. Da konnte sie ihm leichthin den Versuch einer Verarschung verzeihen, mit der er sich eingeführt hatte.

Sie verliebten sich echt ineinander – da hatte es richtig gefunkt. Andreas und Lilli verstanden sich auf Anhieb auch im Bett gut, abgesehen von der Lyrik. Sie standen vor dem Problem, dass es mit der Hurerei endgültig und unwiderruflich Schluss sein sollte – obwohl er insgeheim dachte, dass ein bisschen Putenhaftes nicht schlecht war, zumindest wenn er allein mit ihr zugange schien. Allein das enthob Lilli nicht der Frage, was sie künftig arbeiten wollte. Sie hatte als Geheimprostituierte nicht schlecht verdient.

Da schickte es sich gut, dass Andreas Abendroth einen kleinen, aber feinen Verlag sein eigen nannte. Er stellte Lilli an – er konnte ihr bei weitem nicht das zahlen, was sie als Liebesdienerin verdient hatte, aber wenn sie sich einschränkte (was sie ihm zuliebe gern tat), hatte sie ihr Drauskommen. Abgesehen von Andreas´ ebenfalls nichtsehr üppigen Gehalt, das er sich als Aufwandsentschädigung herausnahm. Dafür bekamen sie beide jede Menge Lust, wozu die Bachmann über Gebühr beitrug – auf Grund einschlägiger Erfahrungen, die sie insbesondere in letzter Zeit gesammelt hatte. Dazu gehörte vor allem die sogenannte „Brücke“, ein kompliziertes Machwerk, bei dem der Nabel als höchster Punkt emporragte.

Kurzum – Lilli versüßte ihm seine Nächte. Und da hatte sie ihm einiges zu bieten, eingedenk ihrer Vergangenheit aus dem Milieu – eingedenk vor allem der ungeheuren Routine, die sie sich angeeignet hatte. Sie überschüttete ihn zunächst mit Küssen, an den möglichen Stellen wie etwa dem Mund, aber auch an den unmöglichen Stellen wie etwa dem Popo. Weiter ging‘s: Kein Penis konnte ihr widerstehen. Sie brachte früher oder später alle zum Stehen!

Ihre besondere Spezialität war aber etwas, was man mit dem Kürzel „69“ beschreiben konnte. Als Neunundsechzig wird eine sexuelle Stellung bezeichnet, bei der beide Partner einander gleichzeitig oral stimulieren. Dabei liegen die Partner übereinander oder auf die Seite gedreht, so dass jeweils das Gesicht des einen Partners den Genitalien des anderen zugewandt ist. Andreas war ganz scharf darauf – er genoss jede Sekunde. Es war für ihn neue Erfahrung, die er so noch nicht erlebt hatte. Er war Lilli komplett verfallen.

Beim Tag machte sie brav ihre Arbeit, die so uninteressant nicht war. Sie musste das sogenannte Lektorat übernehmen. Der alte Lektor Schiller hatte sich kürzlich in den Ruhestand verabschiedet. Das war eine Beschäftigung nach ihrem Geschmack, zumal sie einen Zugang über ihre Schriftstellerei hatte, zugleich aber unerbittlich war in der Beurteilung von Fremdwerken. Dabei ging sie im Sinne von Schiller vor – streng, aber gerecht war sein Motto. Das hatte sie anlässlich eines einzigen Besuch bei ihm festgestellt. Er gab Lilli außerdem den Tipp, nur auf ihr Gefühl zu vertrauen – dann werde sie schon richtig handeln. Weisheit eines langen Berufslebens.

Sie kniete sich wahrhaftig in die Aufgabe hinein – bis Andreas sein Recht auf Sex forderte. Lilli hatte ihn vor lauter Arbeitseinsatz außer Acht gelassen – sie gab ihm seinen „69“. Dabei hatte sie momentan vergessen, wie angenehm es auch für sie war, sich fallenzulassen. Was hatte sie verpasst mit dem blöden Lektorat, wo es doch so viele interessante Alternativen gab? Die bewegten sich eher im Bereich der sexuellen Verlockungen – sie gestand sich ein, dass sie ein wenig sexsüchtig war. Diese spontane Erkenntnis machte ihr plötzlich keine Angst mehr.

Aber auch Andreas war nicht dieses harmlose Bürschchen, als das ihn Lilli ursprünglich gesehen hatte – Motto „Stille Wasser sind tief!“

Auf dieser Basis fanden sich die Beiden zuletzt – er bat sie nur, „den Dienst nicht völlig aus den Augen zu lassen“. Er meinte damit das Lektorat – geschraubter hätte man sich nicht ausdrücken könnten. Einerlei, wie immer man es ausdrücken wollte, der Sinn war klar.

Lilli und Andreas versanken erneut ineinander. Dabei lernte er wieder einige Sexstellungen aus „Lilli‘s Positionen“ kennen, so etwa dass die Frau auf dem Mann sitzt und blickt ihm in die Augen. Die Frau ist hier der aktive Part und bewegt sich auf seinem erigierten Glied auf und ab. Je enger dabei aneinander sind, desto größer ist die Reibung auch auch die Klitoris wird stimuliert oder die Frau befriedigt sich mit der freien Hand. Diese Position hat eine Höhepunkt-Garantie!

Sie probierten das aus, und siehe da, der Erfolg stellte sich folgerichtig ein!

Dann hatten sie – am späteren Nachmittag – das Bedürfnis nach einer ausgiebigen Mahlzeit. Sie aßen wild durcheinander, was sie kriegen konnten. Danach faulenzten wieder, um anschließend in einen unruhigen Schlaf – der von einem tiefen Schlummer abgelöst wurde, aus dem sie lange nicht erwachten. Erst gegen Morgen hin schreckten sie auf, wobei ihnen offenbar jeder Zeitbegriff abhanden kam. Andreas schlief bald wieder – bis zum Abend.

Lilli begann, akribisch zu arbeiten, jenseits der Zeitachse – da hatte sie die besten Ideen. Sie nahm sich gleich einen Roman von Johannes Themelis vor, mit dem ominösen Titel „Roman Nr. 10“ – in Anlehnung an das Fragment „Roman No. 7“ von Heimito von Doderer. Sie las und las unentwegt bis Mitternacht des folgenden Tages. Sie brauchte während der ganzen kein Essen und Trinken – sie war beim letzten Satz des Romans angelangt: „Vielleicht hatte einer von ihnen auch einen Lottogewinn eingefahren hatte…“

Es ging dabei um Zoé und Nicolas, was Lilli professionell betrachtete und den Roman auf der offiziellen Skala als „gut“ (die zweithöchste Bewertung) einstufte. Dabei entzündete sie sich auf ihrer persönlichen Ebene besonders an folgender Stelle:

„Nicolas tat in seiner Jugend verrückte Dinge, wie etwa dass er zu Beginn seines Studiums auf der Kunst-Akademie als Modell gearbeitet hat. Sie wissen schon, da muss man völlig nackt vor lauter angezogenen Leuten still sitzen. Das war anfangs gewöhnungsbedürftig, aber Sie wissen ja, dass er sich bald an die neue Situation angepasst hatte. Kein Wunder, wie er damals ausgesehen hat – ein breitschultriger Geselle mit High-Definition-Körper. Er bewegte sich in den Pausen ohne jegliche Scham, plauderte nackt mit den Malern und Malerinnen, trank seinen Kaffee, bevor er wieder ohne jede Bewegung dasaß.“

Lilli begeilte sich an dieser Szene, besonders stellte sie sich vor, dass Nicolas‘ Schwanz wurde dicker und länger wurde, wofür es objektiv keine Evidenz gab. Schon deshalb, weil sie sich seinerzeit in dieser Rolle als Modell gesehen, aber sich nicht drüber getraut hatte. Allerdings war das heute (nach den gemachten Erfahrungen) noch so – sie konnte sich einfach in dieses Ambiente nicht hereinfügen. Das war ein fundamentaler Unterschied, sich simpel auszuziehen – das hatte sie mittlerweile zu beherrschen gelernt -, oder sich vielmehr zur Schau zu stellen, von vorne und von hinten betrachtet zu werden, die intimsten Details von sich selber preiszugeben, und das in aller Ausführlichkeit. Sie bewunderte die Kunstfigur Nicolas!

Zurück zum „Roman Nr. 10“. Lilli überließ es in diesem Fall – auf Grund intensiver privater Verstrickungen, die ihr Urteil möglicherweise trüben würden – Andreas Abendroth zu entscheiden, ob das Werk erscheinen sollte. Ihr fachfrauliches Gutachten hatte sie nach besten Wissen und Gewissen abgegeben. Andreas stufte sogar noch höher ein – auf „sehr gut“, so ansprechend war dieser Roman für ihn. Damit war der Erfolg keineswegs garantiert – das Publikum würde das letzte Wort haben, von ihm würde es abhängen!

Lilli wandte sich wieder ihrer Lieblingsgattung zu – der Lyrik. Auch von Johannes Themelis, ihrem momentanen Favoriten unter den Autoren. Auch er hatte Gedichte geschrieben. Von denen berührte sie eines besonders – sein Titel war:

Fuck Off Gentlemen

Die abgetriebenen indischen
Mädchen sind nicht mehr als
ein letzter Beweis
– keine Frage der Meinung
– auch kein Streit
Es ist Krieg zwischen Frauen und
Männern
Krieg zwischen Welten, sternenweit
voneinander entfernt
Ihr habt es nicht anders
gewollt!
– gewollt?
Fuck off gentlemen

Das war nicht mehr als ein Beweis für ihre eigene Existenz – bevor sie Andreas Abendroth kennengelernt hatte. Mit ihm klappte es – so hoffte sie.