SIE GAB SICH IHM HIN
Sie gab sich ihm hin – so antiquiert dachte Gina Jürgens an ihre bevorstehende „Defloration“. Der Glückliche war Cedric Appel, dem das zuteil werden ließ. Eines Nachts war es soweit. Sie hatte ein wenig Angst, gleichzeitig aber war begierig darauf, die „Sache“ endlich hinter sich zu bringen.
Die „Sache“ entpuppte sich als beglückendes Erlebnis – Cedric drang das erste Mal äußerst vorsichtig in Gina ein. Bei einer Wiederholung des Vorganges explodierte Gina geradezu – sie war nicht wiederzuerkennen in ihrer Gier, Neues zu entdecken. Cedric konnte kaum mithalten – er war durch seine Physis fallweise gehemmt.
Gina frühstückte so wie sie war – nackt. Und sie schüttete Unmengen von Kaffee in sich hinein und sie stopfte rein, was immer sich an Essbarem fand. Cedric gab sich mit einem Saft zufrieden – wenn er sah, was sie verdrückte, hatte er schon gegessen.
Und dann war sie – frisch gestärkt – zu neuen „Schandtaten“ bereit. Cedric war wenig begeistert – er wollte schlafen, im besten Fall dösen, und er dachte, den Herrgott für’s Erste einen guten Mann sein zu lassen. Aber da hatte er mit Gina nicht gerechnet, und sie ließ sich die Aussicht auf das Neue nicht nehmen – und das stante pede. Cedric wollte ihr den Enthusiasmus nicht ausschlagen, und da machte seine Libido früher oder später mit.
Sie schliefen intensiv miteinander. Dann war für Cedric entschieden Schluss – er legte sich in Morpheus‘ Arme und schlummerte tief ein. Und auch Gina fand, dass es Zeit war für ein Mützchen Schlaf. Und so ruhten sie, eng zusammengekuschelt, da passte kein Blatt dazwischen, bis zum späten Nachmittag. Hinterher hatten beide Hunger – Cedric sowieso, da er die ganze Zeit nichts gegessen hatte, und Gina hatte schon wieder Appetit.
Nach dem Essen hatten sie schon wieder Sex miteinander, Cedric gezwungenermaßen (da zum Geschlechtsverkehr immer Zwei gehörten, außerdem ließ er sich den angebotenen Blow-Job gerne gefallen), und Gina war überhaupt mit vollem Einsatz dabei. Woher sie diese Liebeskunst im Allgemeinen herkannte – er fragte in der Hitze des Gefechts keinesfalls danach. Sie machte es gleichwohl gut – für eine Anfängerin, die sie ja war.
Gina lebte (um das nachzutragen) bei ihren Eltern, da ergab sich nicht die Gelegenheit zum Vögeln. Anders bei Cedric, dessen Vater und Mutter in ein geräumigeres Haus gezogen war und ihn ungerührt in dieser Bruchbude zurückgelassen hatten. Das ermöglichte die theoretische Möglichkeit der Paarung – und heute Nacht hatte sich die Chance des praktischen Vollzugs ergeben.
Weil Gina mehr als vierundzwanzig Stunden nicht heimgekommen war, wusste die Glucke gleich Bescheid, und als sie sich davonstehlen wollte in ihr Zimmer wurde aus dem Bescheid Erkenntnis. Dass es passiert war, was im Leben einer Frau nur einmal geschah, zumindest in den überkommenen Vorstellungen von irgendwelchen alten Weibern, die das Märchen von der körperliche Unversehrtheit bis zur Ehe hochhielten. Die Mutter sagte aber nichts angesichts der Großjährigkeit von ihrer Tochter.
Gina Jürgens arbeitete tagsüber als Assistenzkraft einer Galerie, was bedeutete, dass sie all das machen musste, was dem Chef zu langweilig war wie Katalogisieren der Kunstwerke, Abstauben derselben und ihm Kaffee bringen. Er trat hingegen bei den zahlreichen Vernissagen des Instituts auf, begrüßte als Gastgeber die Gäste – seine Aufgabe war, sie gegenseitig vorzustellen und sich um sie zu kümmern.
Und Bertram Valentin war ein fettes Schwein, das nicht einmal versucht hatte, ihr an die Wäsche zu gehen. Sie hatte diese Versuche bis dato erfolgreich abgefangen – aber die Avancen wurden immer drängender. Ihre Mutter, die das fette Schwein bei einem Vorstellungsgespräch (Gina war zu diesem noch minderjährig) kennengelernt hatte, fand ihn gar nicht so arg. Sie sah sich bereits als Erschafferin einer Dynastie von Galeriebesitzern.
Sie war aber einem grundsätzlichen Irrtum aufgesessen – nicht Bertram Valentin war das Ziel von Ginas Begierden, sondern Cedric Appel. Ein kleiner Bankangestellter hatte ihr Herz erobert – mit durchaus angenehmen Begleiterscheinungen, von denen sich die Glucke gar keinen Begriff machte. Mit Cedric erlebte sie die Höhen, und auch die Tiefen des Sex in einer Intensität wie sie es mit Bertram nie hätte erleben konnte, selbst wenn sie ihm jemals erlauben würde, sich an sie ‘ranzumachen – was nach menschlichen Ermessen nie der 8Fall sein würde.
Wovon sollten sie und Cedric sich eigentlich erhalten, wenn sie gut dotierten Posten bei Valentin aufgeben würde – dann würden die Beiden von der Hand in den Mund existieren. So viel war gewiss – ihr Gehalt war überzogen. Wer weiß, was sich Bertram wirklich erwartete – oder war das ziemlich eindeutig? Ihr Chef hatte mit Sicherheit unmissverständliche Intentionen – darum zahlte er ihr so ein hohes Salär. Wenn er nicht bald zum Zug käme, würde er sie ohnehin entlassen. Also warum nicht gleich – sie kündigte umgehend!
Ihre Mutter traf fast der Schlag – vorbei mit den Träumen von der Dynastie, wo sie als graue Eminenz das Sagen hatte. Sie enterbte Gina bis auf den Pflichtteil. Der Vater hatte nicht viel zu reden – er fristete überhaupt ein Schattendasein, da das Geld aus ihrer Familie stammte. Er hatte nichts zu bellen. Er war quasi überflüssig – mit einer Ausnahme: Zur Zeugung Ginas war er notwendig gewesen!
Eben diese Tochter war unter ungewöhnlich Umständen flügge geworden. Nun überlegte mit Cedric, was zu tun sei. Sie hatte einen Job in einem Supermarkt angenommen, was natürlich eine erhebliche Einbuße gegenüber dem bisherigen Zustand bedeutete. Ratlosigkeit machte sich breit – als erstes galt es, das Dach des Häuschen reparieren. Das war das Wichtigste. Cedric verfluchte nicht zum ersten Mal die Nachlässigkeit der Beiden – dass sie nicht wenigstens darum gekümmert hätten. Das vorhandene Budget reichte für diese eine Maßnahme gerade aus – Innenarbeiten, die zu einer praktischen Verbesserung oder gar zu einer Verschönerung des Bauwerks mussten dergestalt vorerst unterbleiben.
Aber Gina und Cedric ließen sich nicht entmutigen. Sie wurstelten weiter, fast planlos – sie wussten nur, dass sie sich liebten und Sex ohne Taboo genießen konnten. Das wussten sie sicher. Gina hatte gegenüber Cedric jede Hemmung fallengelassen – sie vertraute ihm völlig, und hatte auch allen Grund dazu. Wenn es tageweise nicht so gut lief mit ihrer Beziehung, hatten sie noch immer die Nacht, wo sie im besten Fall eng umschlungen einschliefen. Das war überhaupt das Prinzip ihres Zusammenlebens geworden – nie im Streit auseinanderzugehen, und schon gar nicht in getrennten Zimmern. Nähe war früher oder später gefragt
Aber so oft kam das nicht vor, dass sie böse aufeinander waren. Sie spulten ihr Tagesprogramm ab mit ihren nicht sehr interessanten Berufen, sie kochten anschließend gemeinsam ihr bescheidenes Mahl (was anderes konnten sie sich nicht leisten – außerdem mussten sie auf Investitionen sparen). Am Wochenende machten – wieder gemeinsam – den Hausputz. Gartenarbeiten waren ebenfalls angesagt. Da freuten sie sich auf das Klavierspiel, das dann folgte und das Gina so perfekt beherrschte – zum Drüberstreuen las Cedric aus seinen schriftstellerischen Werken vor.
Das war aber nur ein Vorgeschmack
(under construction)