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Arik Brauer

(anlässlich 8.5.2018)

Arik Brauer selbst berichtete von seiner Verzückung angesichts des von ihm erlebten Einmarschs der russischen Truppen. „Für mich war es selbstverständlich eine Befreiung, für mich war es selbstverständlich ein Sieg. Nicht so für die Bevölkerung.“ Zerstörte Wohnungen, gefallene Kinder und Ehemänner, vergewaltigte Töchter seien die Realität gewesen. „Bin ich erlöst? Bin ich befreit? Natürlich nicht“, gab der Holocaust-Überlebende die damalige Stimmung im Land wieder. Es sei den meisten Menschen schier unmöglich gewesen, die Situation so einzuschätzen. „Die Menschen hatten das Gefühl, wir haben den Krieg verloren, so, jetzt haben wir den Scherm auf.“

Es musste eine neue Generation heranwachsen, so Brauer: „Und ich bin sicher, dass heute in Österreich die überwältigende Mehrheit der Menschen durchaus imstande ist, die Situation und die Wahrheit von der Zeit des Zweiten Weltkriegs richtig einzuschätzen“. Gesiegt habe damals „das allgemeine menschliche Bedürfnis, in Frieden und möglichst großer Freiheit zu leben“. Gewonnen habe letzten Endes auch die Demokratie über die Diktatur. „Die Demokratie ist eine zarte Pflanze, das wissen wir, und man muss sie ununterbrochen pflegen und gießen.“ Unterschiedliche Interessen, Denkweisen und Gefühle der Bevölkerung machten all das sehr kompliziert, gehe vielen auf die Nerven und lasse teils auch den Wunsch nach einer starken Hand laut werden. Jedoch: „Diktatur kann man nicht ein bisserl kriegen“, und das Leben unter ihr sei fürchterlich, denn „denn da kommt das Böse und das Widerwärtige, das in uns lebt, an die Oberfläche“.