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DIE BESETZUNGSCOUCH

Eine Besetzungscouch bezeichnet eine Sofasituation im Büro von Produzenten oder Regisseuren, bei der von Bewerberinnen oder Bewerbern sexuelle Handlungen als Gegenleistung für eine Filmrolle gefordert oder angeboten werden.

Wladlena Machalicky, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Belinda Bachrach, hatte eine unliebsame „Begegnung“ mit der Casting Couch gehabt – gleich zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn. Der Produzent eines sogenannten B-Movies mit Titel „Sex & Crime“, ein Film, außer seiner Überschrift noch nicht viel aufzuweisen hatte.

Der Obergott, namens Yael Warszawski, hatte sie dessenungeachtet gebeten, komplett abzulegen, damit er sich ein Bild von ihrer Schönheit machen könnte. Und Wladlena alias Belinda Bachrach hatte es mit innerem Widerstand über sich ergehen lassen, ohne dass ihr Produzent etwas davon merkte. Denn sonst hätte sie sich die Rolle gleich abschminken können.

Da stand sie nun da, wie bestellt und nicht abgeholt – ein bisschen verloren in ihrer Nacktheit. Warszawski begann zu sabbern, wegen des Anblicks. Aber er rührte sie nicht an. Und Belinda war wirklich eine Wucht, wie sie dastand in ihrer Unschuld. Dabei entsprach dies gar den Tatsachen, denn privat hatte sie einige Erfahrungen gesammelt.

Folgerichtig fragte sie frech: „Kann ich jetzt wieder etwas anziehen oder haben Sie sich noch immer kein Bild von der Lage gemacht?“ – Und als die Reaktion ausblieb, bekleidete sie sich wieder. – „Bekomme ich nun diese Rolle? Andernfalls hätte mich ganz umsonst ausgezogen…“

Der Produzent wachte aus seiner vorübergehenden Trance auf. – „Die Hauptrolle! Wohin uns das auch immer führen mag!“ – Prophetische Worte angesichts dessen, was ihm da noch bevorstand.

Belinda Bachrach hatte Warszawski um den Finger gewickelt. Ganz im Gegensatz zu den sonst an dieser Stelle üblichen Gepflogenheiten. Normalerweise gab es den überragenden Produzenten, der seine Gunst an die meistbietende Dame verteilte, aber hier war die Welt auf den Kopf gestellt.

Durch ihre natürliche Art hatte sie ihn in die Defensive gedrückt. Belinda arbeitete maßgeblich am Drehbuch mit und nachdem sie sich auch die Regisseurin selbst aussuchen durfte (ihre Wahl fiel auf Melissa Ann McCarthy), kam ein Film heraus, der durch seine Duftigkeit – O-Ton eines bekannten Magazins – bestach. Der Streifen hatte durchaus auch deftige Sex-Szenen und die Schauspielerinnen – neben Belinda Bachrach war des Weiteren Huldina von Hennings zu nennen – zeigten auch hüllenlos, aber in einer nicht-ordinären Weise.

Der Film mit schlichten Titel „Die Abenteuer der Justine“ war ein cineastisches Meisterwerk (keine Spur mehr von einem B-Movie). Warszawski staunte, was da ohne Zutun zustande gebracht wurde. Er sprang unmittelbar auf den Zug auf – er hatte noch immer das Gefühl für den großartigen Plot. Es genügte ihm inzwischen, auf der Leinwand an prominenter Stelle zu prangen – unverbindlich als Produzent dieses Glanzstückes.

Regie führte aber eigentlich Melissa Ann McCarthy. Die junge Filmemacherin war dabei, sich einen Namen zu machen, und kam ihr das Angebot gerade recht. Sie Drei – das war ein einzigartiges Team. Die Casting Couch war überflüssig – das heißt, sie war nicht ganz überflüssig, denn die Drei machten sich einen Spaß daraus, die bisherigen Usancen zu pervertieren.

Die „Regisseuse“ schaute streng auf die Kandidatin Huldina von Hennings. – „Ziehen Sie aus – aber rasch, wir haben hier nicht ewig Zeit!“ – Die Aspirantin tat verschämt: „Ganz aus?“ – Die Regisseuse wurde langsam ungeduldig: „Es warten noch andere Bewerberinnen draußen, die nicht ganz so gschamig sind wie Sie!“

Die Anwärterin beeilte sich, dem Wunsch Folge zu leisten, und als sie da so nackend dastand – ein Häufchen Elend war nichts dagegen. – „Mir gefällt Deine Figur, -“ – die Regisseuse war unvermittelt in das Du-Wort verfallen, damit war die Sache mit dem Engagement ohne Worte geritzt – „- an dem Übrigen müssen wir noch arbeiten!“

(under construction)