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QUEERE PERSON

Zvonimir Alanda war eine queere Person, mal trat er unter dem richtigen männlichen Namen (der auch im standesamtichen Register aufschien) auf, mal firmierte sie unter dem fiktiven weiblichen Namen Curly Sue Callum. Und bedachte Kritiker beziehungsweise Kritikerinnen mit der Frage: „Na, und?“

Damit war die Angelegenheit allerdings nicht abgetan: Eiferer der Zwei-Geschlechter-Theorie (das waren noch die harmlosen) wurden auf den Plan gerufen, dazu die Anhänger der diversen Religionen (und das, obwohl so mancher Geistliche schwul war), nicht zu vergessen, die rabiaten Verfechter dieser Ideologie, die solche Avancen mit Feuer und Schwert bekämpfen wollten.

Curly Sue hatte ihren weiblichen Tag und zog ein rotes schwingendes Röckchen an, damit man nahezu ihre Arschbacken bewundern konnte. Das wurde nur die eleganten blickdichten Strümpfe verhindert. Dazu eine weiße Bluse und ein keckes Tätschchen. Sie war so geil anzusehen.

Und so ging sie einkaufen: Beim Juwelier ein Goldkettchen, bei der Parfümerie ihres Vertrauens (das war wichtig, denn er als Herr vorbeischaute, dann mussten die Angestellen schweigen) einen süßlichen Duft für den Sommer. Anschließend lief sie in einen Supermarkt, um sich die nötigen Lebensmittel zu besorgen.

Dann sie setzte sich in das Café auf der Terrasse gleich in die ersten Reihe und genoss die bewundernden Blicke der Männer. Und sie achtete genau darauf, dass sie den Kerlen die gewünschten Aussichten bot. Wenn einer von ihnen herantrat, ließ sie ihn jeweils kalt abblitzen. Denn sie wusste nicht wirklich, wie die Männer es aufnahmen, wenn sie ihre echte Identität erfuhren.

Davor hatte sie Angst, vor der Stunde der Wahrheit, wenn sie mit einem X-Beliebigen im Bett landete, und sie bis zum letzten verfügbaren Augenblick verheimlicht hatte, dass sie tatsächlich ein Mann war. Wie würden die Betroffenen reagieren, würden sie das willkommene Abwechslung empfinden (was eher unwahrscheinlich war) oder würden sie sich aggressiv gebärden (was das wahrscheinlichere Szenario war).

Aber so weit war es lange nicht. Curly Sue marschierte nach Hause, wo sie ein minimalistisches Mahl einnahm. Dann war aber Schluss mit lustig, sie wurde zum Mann, der er wirklich war. Sein Verhalten änderte sich grundsätzlich – er schaufelte unmotiviert Essen in sich hinein, obwohl er noch immer das Callum-Outfit (Röckchen, Bluse, Strümpfe et cetera) trug. Aber keine Spur von der Unaufdringlichkeit, die Curly Sue an den Tag legte, wenn sie nicht gerade flirty war.

Zvonimir Alanda legte den ganzen Flitter ab und stand nackt vor seinem Kleiderschrank. Er hatte seinen zurückgebundenen Schwanz freigelegt und wenn man nicht gewusst hätte, dass er auch als Frau reüssierte, wäre es angesichts seiner Ausstattung gar die Idee bestanden, dass man keinen Mann vor sich hatte. Wenn bei Zvonimir nicht weibliche Züge – aber das führt jetzt langsam zu weit.

Jedenfalls setzte er sich, nachdem er seine Motorradkluft angezogen hatte, auf seine Maschine und fuhr über Land. Er fuhr weit, mindestens 200 Kilometer weit, und er hatte auch noch die Absicht weiterzufahren, wenn er nicht eine verzweifelte Bikerin auf der Zufahrt zu einem Parkplatz entdeckt hätte.

„Könntest Du mir bei einem Problem mit dem Motorrad helfen?“ – Er stellte seinen Chopper neben dem ihren ab: „Gerne, soweit es mir möglich ist!“

Da hatte sie ihn mit ihren Blicken bereits ausgezogen, schön war er, so weiblich. – „Mein Name ist Liddy Nossal!“ – „Zvonimir Alanda!“, gab er zurück.

„Was ist das für ein Name?“ – „Nicht ärger als der Deine!, konterte er. „Wollen wir uns Dein Problem endlich ansehen?“

Liddy führte Zvonimir beflissen zu ihrem Bike. – „Ölmangel!“, stellte er auf einen Blick fest, „Das lässt leicht beheben. Wenn Du, was ich annehme, kein Reserveöl haben, kann ich Dir aushelfen!“

Die gestrandete Bikerin hörte kaum den Spott in seiner Stimme. Die Beiden suchten sich eine einsame Lichtung, um Sex im konventioneller Weise miteinander zu haben. Dann erzählte er – nach einer Erschöpfungspause – von bisher nicht verwirklichten Plan, Geschlechtsverkehr als Frau, nämlich der ominösen Curly Sue Callum, zugänglich zu sein.

„Erzähl‘ mir von ihr?“, fragte Liddy neugierig. „Ich würde Curly Sue Callum gerne kennenlernen!“

„Da habe etwas Besseres für Dich!“ – Er kramte etwas aus seiner Satteltasche heraus – das war ein komplettes Outfit als Dame!

Er band sich (nackend wie war) seinen Schwanz nach hinten, mittels Leukoplast, das er ständig dabei hatte. Liddy kam aus dem Staunen nicht heraus!

Dann folgte ein raffinierter String – BH brauchte er keinen, da er flach wie ein Brett war, was für gewisse Damen ganz selbstverständlich ist. Dazu eine Unisex-Frisur – was ihn zusätzlich weiblich aussehen ließ, weiblicher als so manche Frau. Ihr Schminktäschchen hatte er immer dabei und trug ein wunderbares Make-up auf. Insbesondere der Lippenstift war sensationell – er war von einem satten Pink. Damit nicht genug – darüber zog er ein schwarzes Kleid an, kurz, kürzer, am kürzesten. Die perfekte Lady, nur dass die Gewandung etwas zu knapp war. Dazu elegante Strümpfe, nicht zu vergessen.

Liddy war fasziniert – sie war sprachlos, was bei ihr eine Seltenheit bedeutete. Über die Verwandlung von Zvonimir Alanda zu Curly Sue Callum!

Ein wahrhaftes Wunder!

Die Nossal, noch im Evakostüm und selbst auch nicht von schlechten Eltern, musste neidlos anerkennen, dass Curly Sue sie an Schönheit übertraf, wenn auch nicht an sexueller Erfahrung.

Er paradierte vor Liddy auf und ab, bis es Beide nicht mehr aushielten und übereinander herfielen – allein, das war gar nicht einfach mit dem fixierten Schwanz. Es blieb ihnen nur der Weg, ihre Geschlechtsteile aneinander zu reiben – mit einer gewissen Verzögerung beim Vollzug. Sie waren Beide solche Profis, dass sie die Retardation genossen.

Als es Abend wurde, schlüpften Liddy und Curly Sue (bewusst nicht Zvonimir, da er sein Make-up oben gelassen hatte) in ihre Motorrad-Outfits, wobei Curly Sue als besonders attraktive Rockerbraut brillierte. Sie gingen nächstgelegene Hotel, eine elende Bruchbude, aber sie wollten nicht so weit fahren.

Das Essen war ein Schlangenfraß, und sie würgten es hinunter. Sie hatten Anderes vor. Das enthob sie der Antwort, die sich übereifriger Kellner erwartete, der Liddy und insbesondere Curly Sue schöne Augen machte. Sie trollten sich rechtzeitig und gingen auf ihr Zimmer. Dort schliefen sie sich erst einmal richtig aus, ohne Bock aufeinander zu haben.

Am Morgen hatte sich an der Schrottimmobilie geändert, nur der Kollege des Abendkellners beachtete sie kaum – was sie in dieser Situation als wohltuend empfanden. Dann bestiegen sie ihre Motorräder und fuhren nach Hause, wohlgemerkt, jeder in sein Zuhause. Der Zauber, der sie gestern ergriffen hatte, war zu Ende.