AFRICAN QUEEN
Amani Malonga, Königin von Nzadi (einem mächtigen Bantu-Reich), führte strenges Regiment gegen ihre Untertanen, besonders gegen ihre – wenigen – weißen Sklaven, die sie bei einem ihrer zahlreichen Eroberungszüge zusammengefangen hatte. Sie war eine eindrucksvolle Persönlichkeit – ebenholzschwarz, schlank, groß, nackt, bis auf die spärlichen goldenen Insignien ihrer Macht.
Die weißen Sklaven wurden von ihr ausgesucht schlecht behandelt – sie mussten sich verhüllen, da sie in Amanis Augen die falsche Hauptfarbe hatten. Das ging sogar so weit, dass sie einen Gesichtsschleier zu tragen hatten, der nur ihre Blicke herausgucken ließen, während ihre Landsleute im Evas- beziehungsweise im Adamskostüm herumliefen. Und Kesi I bis XI (die Königin hatte es sich einfach gemacht, indem sie den Gefangenen einen gängigen Bantu-Namen gab und sie durchnummerierte) mussten schwer arbeiten, was in der Hitze in der Kluft mörderisch war.
Manchmal, wenn sie mitten in der Nacht Lust auf Kesi IX (das war ihr „Liebling“) verspürte, badete ihn ihre Zofe Zuriah, um den Gestank loszuwerden, der von seinem Gewand ausging. Zuriah hatte ebenfalls Lust auf Kesi IX, wenn sie ihn so frisch gewaschen und bloß liegen sah – nur fürchtete sie die Königin, und vor deren Reaktion, wenn er sein Pulver mit der Zofe verschossen hatte.
Dann kam die Malonga höchstselbst, ihren Zierrat hatte sie abgelegt. Sie war in ganzen Pracht zu bewundern. Und Zuriah wurde fortgeschickt – nur Kesi IX und die Königin blieben allein zurück.
Obwohl er das schon mehrfach erlebt hatte, erbebte er stets auf‘s Neue vor ihrer spirituellen Magie. Sie ergriff jeweils wie selbstverständlich die Initiative – er hatte keine Chance für eigene Ideen, was einerseits gut war, denn so musste er gar nichts denken. Amani trocknete ihn ab, wobei sie seine Weichteile sanft, aber unwidersprüchlich berührte. Das Ergebnis war ein Ständer seinerseits, der dauerhaft war, sodass sie Beide etwas davon hatten.
Die Königin schickte ihn post festum umgehend fort – geringschätzig, in der verschwitzten Kleidung, die nicht gewaschen worden war. Sie wollte sich befruchten lassen – das war ihr Ziel, nichts anderes. Sie hatte Glück: Beim ersten Mal es geklappt!
Umsorgt von Zuriah, hatte Amani eine weitgehend problemlose Schwangerschaft. Nur dass ihr Bauch begann, ungeheure Ausmaße anzunehmen. Zum Schluss musste sie nur mehr liegen. So verbrachte sie den Rest der Gravidität.
Und das Ergebnis war bemerkenswert: Es waren Vierlinge – ein schwarzes Mädchen, ein weißer Bub und zwei Khakifarbene, Bub und Mädchen!
Der Sklave Kesi IX wurde umgebracht, sowie die Geburt reibungslos verlaufen war – die zwei Schergen der Königin verscharrten die Leiche irgendwo im Dschungel, wo sie bald von Geigenfeige, Efeutute, Fensterblatt, Alokasie und Goldfruchtpalme überwuchert wurde und sich in kürzester Zeit auflöste. Vorsorglich hatte man vor Ewigkeiten den Beiden die Zunge herausgeschnitten, damit sie nichts verraten konnten.
Die Vierlinge hielten Zuriah auf Trab – die Malonga machte gar nichts, außer sich mal den einen der zwei Buben, mal das andere der zwei Mädchen an‘s Bett bringen zu lassen, wo sie sie herzte und küsste – und dann wieder abservierte, um sich einem straffen Fitness-Programm zu unterziehen. Es war dabei wichtig, bei der Wahl von Lebensmitteln auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, die ausreichend Nährstoffe, Ballaststoffe und wenig Zucker und Fett enthält. Damit hatte sie ihre ursprüngliche Figur ehebaldigst wieder erreicht.
Die Kinder entwickelten sich mit zunehmenden Alter durchaus unterschiedlich: Moya, das schwarze Mädchen, war sanft und friedlich, auf Harmonie bedacht. Maulidi, der khakifarbene Bub, war so ein Mittelding, mal zornbebend, mal einfühlsam – nicht Fisch oder Fleisch. Ayanna, das khakifarbene Mädchen, redete gerne und ließ sich leicht begeistern, neigte aber zu Unruhe und Unzuverlässigkeit. Shuku, der weiße Bub, war herrschsüchtig und reifte zu einem richtigen Tyrannen heran.
Das brachte die Königin in eine echte Zwickmühle – einerseits war Shuku der geborene Nachfolger, anderseits hatte er die falsche Hautfarbe. Wenn es wenigstens einer von den Khakifarbenen gewesen wäre, da hätte man noch darüber reden können – aber weiß, das genaue Gegenteil von schwarz. Sie hoffte, dass sich das in eine andere Richtung realisieren würde – hatte zugleich wenig Hoffnung darauf, dass das eintreten würde. Und so kam‘s auch. Die angelegten Eigenschaften traten nur umso stärker hervor.
Die Malonga war um eine rasche Entscheidung bemüht. Warum warten? „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“, bedeutet, dass man einen unbefriedigenden Zustand einmal entschlossen beenden sollte, anstatt endlos darunter zu leiden.
Shuku, ein Weißer(!), wurde in Alter von fünf Jahren mit sämtlichen Insignien der nachgeordneten Macht ausgestattet. Er empfand das gar nicht so ungewöhnlich – er wusste ja nichts Anderes. Seine Mutter tat ein Übriges, indem sie die Kritiker mundtot machte, kraft ihres autoritären Führungsstils duldete sie keinen Widerspruch.
Der Weiße – dem gar nicht so richtig bewusst, dass er weiß war, da die übriggebliebenen Kesis bei Nacht auf die gleiche Weise wie ihr Schicksalsgenosse entsorgt worden waren – entfaltete bereits mit Zwölf einen Hang zur Grausamkeit, der selbst die Königin in stillen Stunden alarmierte. Aber sie hatte es so gewollt – außerdem hatte es mit ihrer Tendenz zur Gnadenlosigkeit (wenn auch in abgeschwächter Form, nicht so extrem wie bei Shuku) zu tun.
Shuku legte sich, so oft es ging, in die Sonne, bis er den khakifarbenen Farbton seiner Geschwister angenommen hatte. Er wollte aber noch mehr – er wollte, so weit als möglich war, die dunkle Hautfarbe der übrigen Nzadi annehmen, nur wollte er das nicht unbedingt auf die Nase binden. Was würde geschehen, wenn sein Experiment schief liefe? Spott und Hohn war ihm sicher. Da er verließ sich lieber auf die Rückendeckung durch die Königin. Aber dennoch – er probierte es ständig wieder, mit der Nachdunklung…
Die Malonga ließ Shuku weitgehend freie Hand, wenigstens was seine sadistischen Neigungen betraf. Sonst regierte sie mit harter Hand. Sie brachte alle Ordnungsgrundsätze der Staatskunst bei, zusätzlich ihr Steckenpferd Mathematik, dazu das Tanzen, was die Bantu-Völker im Schlaf beherrschen, was Shuku komischerweise erst lernen musste, obwohl er aus den gleichen „Wurf“ stammte.
Sie hatte ihn mit Fünfzehn schon so weit, dass er sie auf diplomatischen Missionen begleiten durfte beziehungsweise gleich in kriegerischen Auseinandersetzungen. Und da kam Shuku darauf, dass es gerade Anderssein war, das den Kontrahenten den nötigen Respekt abverlangte – er verzichtete fürderhin auf jeden Versuch, zu werden wie Rest der Crew. Dass er sich gerne sonnte, behielt er bei, allerdings mit Maßen.
Er schlich mit Vergnügen, wenn seine Mutter schlief und die goldenen Insignien ihrer Macht komplett abgelegt hatte, in ihr Schlafgemach, wo er sie stundenlang beobachtete und sich an ihrem Anblick begeilte. Amani erwachte am Ende.
Sie war gar nicht überrascht, Shuku zu sehen. Sie lud ihn ganz selbstverständlich ein, das Lager mit ihr zu teilen – bis zur letzten Konsequenz. Sie hatte stets einen Vorrat an Kondomen aus Schafdarm oder Fischblase in Reserve, sodass die Beiden sich gefahrlos dem Inzest hingeben konnten.
Und spielte es sich ab – sie waren immer besser aufeinander abgestimmt, wie es zwischen Mutter und Sohn manchmal vorkommen mochte. Die Königin ritt zuletzt der Teufel, und ließ das Kondom einmal völlig weg – Shuku merkte gar nichts davon. Amani wagte ein einzigartiges Experiment: Mit ihrem Sohn ein Kind zu zeugen. Dabei war sie sich nicht der Gefahr eines Gendefekts bewusst.
Ihr ging es nur darum, ihrem Sprössling klarzumachen, dass er Vater werden würde, als ihr Bauchumfang sich wölbte – kein Anderer kam dafür in Frage.
(under construction)