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DIE FROMME

Sharon Lee hatte eine etwas merkwürdige Vorstellung von Frommheit. Damit traf sich mit Myles Caffey – beide waren Nudisten, was im Süden von Kalifornien (namentlich in Zeiten des Klimawandels) kein Problem darstellte, anders als im Nordosten der Vereinigten Staaten, wo es schon empfindlich kalt werden konnte.

Aber wir schweifen ab – wir wollten eigentlich von der queeren Idee von Frommheit erzählen. Zu den Sonntagen kam immer ein Geistlicher herüber aus San Diego in‘s Camp der FKK-Anhänger, zog sich bis auf die Stola aus und las so die Messe. Sharon trug zur Feier des Tages ein schlichtes Barett (und sonst nichts), während Myles ganz nackt war.

Anschließend gingen sie in‘s Meer schwimmen, nachdem der Pastor seine Stola und Sharon ihr Barett abgelegt hatten. Der Rest der Meute folgte ihnen. Sie hatten ihren Spaß dabei: „Bring‘ das nächste Mal Deine Frau mit!“, sagte einer aus der Runde. – „Ich fürchte fast, das wird nicht möglich sein – dazu sie zu prüde!“ – „Denk‘ an Adam und Eva…“

„Frag‘ sie noch einmal – man kann Gott, den Herrn, auch loben, wenn man hüllenlos ist.“ Der Mann ließ nicht locker – vielleicht wollte er die Frau Pastorin bloß nackt sehen.

Die Frau Pastorin, Xanya Halona, war wütend, als er, Pastor Ezra Kline, wieder nach Hause kam: „Wie kannst Du das nur in Erwägung ziehen!“ – Insgeheim dachte sie daran, es einmal auszuprobieren – sie verriet aber ihrem Mann vorerst nichts. Am nächsten Sonntag war sie plötzlich reisefertig.

„Du weißt aber schon, wohin wir fahren?“, sagte Ezra streitlustig. „Dort gibt es keinen Pardon! Dort musst Du völlig textilfrei sein!“ – Sein Auge ruhte wohlgefällig auf ihrem schlanken Körper – Beide hatten in der vergangenen Nacht Sex gehabt. Seine Erinnerung war noch immer frisch von dem beglückenden Erlebnis.

„Wenn ich mich schon ausziehen soll, dann muss‘ es eben so sein!“ – Sie hüpfte geschwind aus ihrem Gewand und schloss sich dem Gottesdienst an, wo ihr Mann schon wartete – selbstredend nackt, ausgenommen die Stola.

Als die Messfeier zu Ende war, gingen alle wieder einmal schwimmen, denn das war ihr Lebenselixier. Sie badeten das ganze Jahr über, bis gelegentlich ein Pazifiksturm ihnen einen Strich durch die Rechnung machte. Xanya Halona tat sich besonders hervor, nachdem sie die Scham abgelegt hatte. Sie tat zuviel, ohne das zu merken – es wies sie auch niemand darauf hin.

Das war noch gar nichts, im Vergleich zu dem, was Sharon und Myles aufführten. Die Beiden tauchten tief hinab, ohne die übliche Ausrüstung, nur mit dem blanken Körper. Sie hatten sich darüber verständigt, dass sie in ausgeatmeten Zustand noch tiefer hinabtauchen konnten – dazu mussten sie jedoch Einiges an Vorarbeiten getroffen werden.

Begonnen hatte es vor einigen Wochen mit drei Minuten, die sie unter Wasser verbrachten – das war leicht, und dabei mussten sie sich nicht anstrengen….

(under construction)