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DER GORILLA

Ich, Ray Orbison, verdiente mein Geld als verkleideter Gorilla. Mal wartete eine Filmrolle auf mich (das waren die absoluten Ausnahmen), mal trat ich im Circus auf, wo ich gorillahaft agierte und zum Schluss meine Kopfbedeckung abnahm (was als besonderer Gag empfunden wurde). Zusätzlich arbeitete ich im Zoo als Ersatz für den verstorbenen echten Gorilla. Das war meine Tagesbeschäftigung, in der ich blutig wenig verdiente – aber Kleinvieh macht auch Mist.

Wenn ich – selten genug – beim Film beschäftigt war, dann laborierte der „Gorilla“ an einer seltenen Krankheit, die ihn in einen geschlossenen Käfig zwang. Die abendlichen Vorstellungen im Circus waren normalerweise kein Problem, da im Regelfall vorher Drehschluss war. Ich hatte mit meinen drei Jobs die volle Auslastung erreicht.

Das war auch gut so, zumal mich meine Freundin Susie Chmielewsky kürzlich verlassen hatte. Sie gab als offizielle Begründung an, dass ich einem Gorilla immer ähnlicher wurde. Der wahre Grund aber war, wie ich inoffiziell erfuhr, dass sie zufällig einen reichen Binkel kennengelernt und sich Hals über Kopf in ihn verliebt hatte. Da hatte ich Pause – was sollte ich gegen den Schnösel schon ausrichten.

Dessenungeachtet machte mir mein Beruf große Freude – ich konnte mir keinen Anderen vorstellen. Ob es jetzt an der Lust lag, verkleidet durch die Weltgeschichte zu laufen, oder an der Tatsache, dass ich unter meinem Kostüm nur einen spärlichen G-String trug, vordergründig wegen der mörderischen Hitze, die unter meinen Outfit herrschte, hintergründig wegen des zusätzlichen sexuellen Reizes. Ich stand praktisch ständig unter Strom.

Susie kehrte nach kurzer Zeit zu mir zurück. Der Galan war unzufrieden mit ihr. Dass er mit ihr nicht machen konnte, was er wollte (darunter die perversesten Dinge), hatte ihn zutiefst verstört, und gab ihr den Laufpass. Ungeachtet dessen, welchen Schmerz sie mir zugefügt hatte, nahm ich sie wieder retour.

Ich beschloss bei mir, sie künftig hart ‘ranzunehmen – je gleichgültiger sie mir wurde. Als Erstes bat ich sie, mit mir zu schlafen, währenddessen ich den Gorilla-Anzug trug. Eine für sie schaurige Geschichte, zumal der Dress einen eigenartigen Geruch verbreitete. Sie vermutete zurecht Mottenkugeln, zur Abwehr von Ungeziefer.

Als sie den G-String unter der Montur entdeckte, war sie versöhnt – jedenfalls zum Teil. Ich weigerte mich hartnäckig, meine Gesichtsmaske abzulegen – und das war es, was sie besonders aufbrachte. Das machte ich ihr zu fleiß, dass sie sich in die Larve hineinbohren musste, was ihr Brechreiz verursachte. Aber Susie unterdrückte diese Regung, was gar nicht so schwierig war. Sie konzentrierte sich auf den G-String, den sie mir auszog und achtlos fallen ließ. Was blieb, war ein männliches Geschlechtsorgan, das zu einer beachtlichen Größe anschwoll, und eine Gorilla-Maske, die meinen fulminanten Körper krönte.

Ja, ich schaute auf mich. Durch regelmäßige Besuche im Fitness-Center hatte ich eine Gestalt angenommen – einerseits nicht zu muskulös, damit man mir die Übungen nicht anmerkte, andererseits muskulös genug, dass die Übungen nicht völlig umsonst gewesen waren.

(under construction)