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ALIEN

Das Wesen erwachte aus tiefem Schlaf – erstmals. Sie hatte die Form eines nackten weiblichen Körpers, der durch durchaus ansprechend war, wenn man von einer Glatze absah, aber das hatte seinen eigenen Reiz. Sie ging mit geschlossenen Augen, aber zielstrebig vorwärts. Dabei fiel auf, dass sie sich mit unglaublicher Eleganz bewegte.

Sie konnte durch nichts aufgehalten werden – weder durch die Scheibe des Behälters (in dem sie gefangen gehalten werden sollte), noch durch die umstehenden Wissenschafter. Sie überlistete die Gelehrten (darunter war ein Mediziner, ein Verhaltensforscher und ein Psychologe, sogar einen Philosophen und einen Theologen hatte man dazugebeten) unschwer und landete auf dem Sims des Institutsgebäudes im vierten Stock.

Nunmehr hatte sie die Augen weit geöffnet – und da zeigte erstmals, dass sie einen Blick wie eine Schlange aufwies. Es war aber nicht alles, was sie an Überraschungen zu bieten hatte. Sie flog davon, Richtung eines Parks in der Nähe, wo sie sich auf einem Ast niederließ.

Die Wissenschafter waren so perplex, dass sie ihr nicht einmal den Blutdruck gemessen hatten, geschweige denn, dass irgendwelche komplizierten medizinischen, verhaltenstheoretischen, psychologischen oder philosophischen und theologischen Ansätze verfolgt wurden. Nun saß sie gemütlich auf ihrem Ast und zeigte den Gelehrten die lange Nase – wenn sie zu einer solchen subtilen Regung überhaupt fähig war, aber das wussten sie mangels dem Vorhandensein von Befunden jeglicher Art nicht.

Sie war urplötzlich verschwunden, wie wenn sie der Erdboden verschluckt hätte – dabei hatte sie nur einen reservaten Ort gesucht, wo sie eine zufällig vorbeikommende Dame „neutralisiert“ und ihr die Perücke und die Kleidung gestohlen hatte. Dann ging sie als Kyra Kereszko, einer Hure, anschaffen. Der Sinn lag für darin, dass sie mangels Deutschkenntnissen der Beruf als praktisch Einziger in Frage kam – außerdem war sie durch ihren Makel geprägt: ihre Augen!

Kyra erreichte per Flug die Wohnung ihres Opfers in der Vorstadt, die gleichzeitig als Unterkunft und Arbeitsraum (Ha! Ha!) dienten. Der Hausmeister, den sie immer wieder kostenfrei „bewirtet“ hatte, und dem ihr Gesicht völlig schnurz war, hatte ein unterwürfiges Lächeln bereit: „Frau Kereszko sind aus gewesen!“

Sie murmelte unverständliches Zeug daher und ging in ihre beziehungsweise Kyra Kereszkos Bleibe. Sie beschloss, auf der Stelle Deutsch zu lernen, wobei ihr ein Universaltranslator zu Hilfe kam, der in Echtzeit übersetzte – die Feinheiten, die jeder Spache innewohnen, würde sie schon noch begreifen.

(under construction)