ANN-SOPHIE ZAMARRIPA
Sie war zwanzig, aber niemand gab ihr mehr als fünfzehn. Ann-Sophie Zamarripa war eine amerikanische Lolita mit starkem erotischen Einschlag, ob bewusst oder unbewusst. Eine Kindfrau, ein Mädchen, das zugleich unschuldig und raffiniert, naiv und verführerisch wirkt. Soweit die landläufige Definition.
Damit reiste sie. Sie wusste genau, was sie tat – wenn sie alle Arten von gewissen Männern gezielt provozierte. Aber wenn die Kerle übergriffig wurden oder sie geradezu vergewaltigen wollten, standen für alle Fälle zwei Bodyguards bereit, die sie abschirmten.
Das trieb die Männer zur Weißglut, insbesondere, wenn sie sich – im Schutz ihrer Leibgarde – bis auf den Bikini entblätterte. Das gefiel ihnen zwar, aber sie wollten mehr, womöglich alles. Warum sie sich das antat, wusste der Himmel allein. Warum sie sich in Wirklichkeit antat, waren die Follower, die bereits ein erkleckliches Ausmaß erreicht hatten. Sie warteten darauf, dass sich Ann-Sophie Zamarripa (das war übrigens ihr echter Name) komplett freimachte.
Den Gefallen würde sie ihnen länger nicht machen – jedenfalls so lange, wie die Follower-Zahlen nach oben kletterten. Hier galt es, genau aufzupassen, damit das vorwiegend männliche Publikum nicht das Interesse verlor. Und dieser Punkt war da.
Und Ann-Sophie zog sich aus. Und da stellte heraus, dass das Ganze nur gefaked war – die hechelnden Männer waren ebenso wie die Bodyguards eine im Studio erzeugte Illusion, einzig die Tatsache, dass Ann-Sophie am Ende nackt war, traf zu.
Der Stern von Zamarripa verglühte genauso, wie er aufgetreten war? Das durfte nicht passieren!
Ann-Sophie Zamarripa war noch immer dieses unschuldige Ding von fünfzehn Jahren, die Zwanzig merkte man ihr keineswegs an. Es kam ihr vor, ewig jung zu bleiben. Und so war auch: Nicht die kleinste Falte war auf ihren Gesicht und auf ihrem Körper zu sehen!
Wann sich bei Anderen mit der Zeit tiefe Falten in den Leib brannten, war sie von einer makellosen Schönheit, obwohl sie rauchte, Drogen nahm und herumhurte. Getrieben von den Followers, die immer noch mehr Sauereien, immer noch mehr Obszönitäten von ihr verlangten. Und sie gab ihnen diese – und das Ganze war wieder nur gefaked, basierend auf diesen Unschuldsengel!
Sie konnte tatsächlich die ärgsten Frivolitäten mit einer bestimmten Naivität vorbringen, die ihresgleichen suchte. Wenn sie zum Beispiel mit dem entsprechenden Augenaufschlag treuherzig die impertinentesten Dinge äußerte, dann waren die Follower hellauf begeistert. Und so ließ einen ausführlichen Blick auf Nacktheit zu, geschützt die Intimität ihrer derzeitigen Unterbringung, in die sie vor kurzen umgezogen war.
Die einzigen Kontakte zur „Außenwelt“ waren über die sozialen Medien, wie WhatsApp, Signal oder Viber (wenn sie nicht in Eigeninitiative handelte, was auch vorkam, aber immer seltener), über diese bekam sie ihre „Anweisungen“. Ann-Sophie siebte genau diejenigen, die ihr weniger gut gefielen – und da blieben genug unanständige Szenen übrig.
Ein „Vorschlag“ reizte sie privat besonders, nämlich der, sich selbst, Ann-Sophie, umzubringen. Wer machte sowas?
(under construction)