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DER BOHEMIEN

Charon Carsten war ein Außenseiter, ein freiheitsliebende Künstler, der seine Zeit mit wenngleich erfolglosen künstlerischen Malereien verbrachte. Gottlob nagte er nicht am Hungertuch, da er unverschämt reich war – von alters her. Er hatte nichts dazu beigetragen. Das hatten seine Vorfahren längst vor ihm erwirtschaftet.

Trotzdem störte es ihn, dass der Mangel an rein ästhetischen Durchbrüchen eher bescheiden war – sie fanden ehrlicherweise gar nicht statt. Dann schrieb er Gedichte – wieder das Gleiche. Es war zum Verzweifeln.

Bis er dann die Kulturmanagerin Abbey Kohler kennenlernte, aber sie hängte sich nur auf Grund seines Vermögens an ihn – die Zeitungen waren voll von Berichten über seinen Wohlstand. Carsten fiel immer von Neuem auf zum Teil fragwürdige Motive herein. Die Kohler würde sogar in‘s Bett gehen mit ihm, wenn sie ihre clandestinen Ziele gefährdet sah.

Charon war dementsprechend ein reicher zugleich ein armer Mann. Er begann folgerichtig, sein Kapital zu verschenken – mit zweifelhaften Erfolg: Die entsprechenden Summen hätten gereicht. um hundert Jahre (also mehr als die Zeitspanne eines ganzen Leben) damit auszukommen.

Es musste eine Entscheidung getroffen werden: Entweder er blieb bei Abbey und nahm ihre suspekten Methoden in Kauf, nur um eines Tages dank ihrer Hilfe groß ‘rauszukommen, oder aber er ließ sie sausen, mit der Konsequenz, dass er alle seine Ambitionen vergessen könne. Charon wählte den ersten Weg – auch weil die Kohler nicht unansehnlich war und ihn umgarnte, gespielt oder nicht gespielt. Das war ihm mittlerweile völlig ganz egal – wenn sie kein Problem damit hatte, hatte er auch keines.

Die Gedichte zu veröffentlichen, war keine Angelegenheit – er musste nur sämtliche damit verbundene Kosten tragen. Für den Verlag bestand kein Risiko dabei. Im Gegenteil – er hatte sich vorweg bereits alle Unwägbarkeiten abkaufen, bis hin zu einem Totalflop des ganzen Projekts. Da gestaltete sich die Situation der Bilder schon schwieriger: Ein Galerist mussten gefunden werden, und der sollte die Gemälde verkaufen. Anders hätte es keinen Sinn ergeben. Dabei stellte sich heraus, dass die malerischen Arbeiten so schlecht nicht waren. Der Kunsthändler, der nach Ach und Weh, und nach vielem Tohuwabohu den Zuschlag erhalten hatte, machte nolens volens Propaganda dafür und erfreute sich über rege Nachfrage.

(under construction)