SEITENSPRUNG
Luna und Joachim Fink waren fünfundzwanzig Jahre verheiratet. Genau an ihren fünfundzwanzigsten Hochzeitstag beschloss Luna, heimlich auszubrechen. Gleichwohl sollte niemand zu Schaden kommen, am wenigsten Joachim, vor dem das reservat zu behandeln war. Luna suchte einfach einen „Zweitmann“, der all das bot, was ihr ihr „Erstmann“ nicht mehr bieten konnte. Dabei hatte auch ihr Gemahl durchaus Vorzüge, nur halt andere. Er arbeitete viel im Ausland – er war als Feasibility-Manager tätig (was immer er genau tat, entzog sich ihrer Kenntnis – es war ihr auch im Grunde egal). Hauptsache, es brachte genug ein.
Luna selbst fertigte in Heimarbeit wunderschöne Schmuckstücke an – sporadisch, heute das, und morgen etwas anderes. Sie hatte ausreichend Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auf den Sex. Dabei kam es auf die richtige Mischung kam an. Sie suchte und fand den geeigneten Kandidaten rasch, der als Ergänzung zu ihrem Angetrauten dienen konnte. Oleander Linkerhand war das exakte Gegenteil zu ihrem Ehemann – ein Herumtreiber par excellence.
Er hatte mal Arbeit, mal nicht – er bemühte sich nicht sonderlich darum: Wenn er Geld brauchte, borgte er es sich von den zahlreichen Anhängern, nicht zu vergessen Anhängerinnen, eben aus. Er war durch seinen Charme bevorzugt, sodass ein kleiner finanzieller Schaden in Kauf genommen wurde. Ein zweites Asset war ihm zu eigen – nämlich die Zugkraft seines Sex-Appeals, der ihm immer und überall zur Verfügung stand.
Und so lavierte Luna Fink zwischen ihrem Mann und ihrem Freund und goutierte es zunehmend – das Abenteuer und die Gefahr, alles zusammen. Das Glück war, dass sich Joachim so oft in der Fremde aufhielt, und dementsprechend Oleander freie Bahn besaß. Er quartierte sich manchmal frech in der feudalen Wohnung im ersten Wiener Gemeindebezirk ein, was Luna nicht so ganz gefiel. Aber die Fink konnte der erwähnten Zugkraft nur schwer widerstehen und damit riskierte sie von Zeit zu Zeit, dass Joachim plötzlich vor der Tür stand.
Aber das passierte zufällig niemals und sie fuhr munter zweigleisig durch die Welt. Sie achtete sehr auf ihr Äußeres – sie ging zyklisch in ein Kosmetikstudio und auch die leichte Fitness war ein Thema. Leicht deshalb, weil sie nicht wie ein weiblicher Kraftprotz erscheinen wollte. Sie war von Haus aus mit einer anmutigen Figur ausgestattet, hatte stets ein Lächeln aufgesetzt, wobei ihr unvermeidlichen Falten gleichgültig waren. Sie war ein durch und durch sonniges Gemüt – bis auf den Stress, den ihr Oleander fallweise verursachte, wenn er ab und an bei ihr einzog.
Lieber war es Luna, sie trafen sich im dreiundzwanzigsten Wiener Gemeindebezirk, in seiner winzigen Wohnung, wo sie ungestört waren – bis auf die Tatsache, dass gelegentlich eines seiner Dates unvermutet anläutete und er die Betreffende hereinließ, denn sonst hätte sie draußen eine Baustelle veranstaltet. Dann spielte sich jeweils dasselbe ab: Die mehr oder weniger höfliche Vorstellung, wobei Oleander gern die Formalitäten den Damen überließ. „Luna!“ – „X-1!“ und so weiter bis „X-9!“ – Und die Fink war die Zehnte, oder die Nullte, ganz nach der gewählten Zählweise.
Die Besucherin trollte sich bald, da ihr Platz schon besetzt war. Luna konnte sich nicht aufregen, da sie selbst auf zwei Hochzeiten tanzte. Hauptsache war, dass er – unter Umgehung von X-1 bis X-9, die er schon mal in die Wüste schickte – für sie bei Tag und Nacht Zeit hatte, wenn er auch kurzfristig seinen momentanen Job sofort aufkündigen musste, was ihn im Prinzip weniger störte. Da war kein Mangel an unqualifizierten Tätigkeiten.
Im Sommer, jeweils im August für vier Wochen, fuhr sie regelmäßig nach Rhodos – da konnten ihr ihre zwei Männer gestohlen bleiben. Wiewohl sie ihnen treu war – das war für sie eine Selbstverständlichkeit, und wenn ihr gleich ein Grieche noch so schöne, tiefschwarze Augen machte.
Sie war in Urlaub eher auf‘s Tauchen aus und wo könnte man das besser als in Kalathos, auf halben Weg zu der Südspitze der Insel. Sie hatte sich eine kleine Hütte am Strand gemietet – die Verpflegung war kein Problem, es gab genug Lokale in der Umgebung. Kaum angekommen, schlüpfte sie auch schon in ihrem winzigen String – ihre einzige Ausrüstung bei Tauchgängen bis zu einer Tiefe von 20 Metern.
Da fühlte sich Luna richtig zuhause – sie konnte 15 Minuten unter Wasser bleiben, selbstverständlich in ausgeatmeten Zustand. Alles andere hatte sich nicht praktikabel erwiesen. Der natürliche Auftrieb hatte stets ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht – bis sie nach langen Tests auf die Idee mit der Exhalation gekommen war.
Sie bemühte sich ständig, die Zeit unter Wasser auszudehnen. Die Tiefe war vorgegeben – das Maß von 20 Metern war ohne Sauerstoffgerät nicht zu toppen, aber sie verabscheute das Atemequipment – „Nur für Natur!“ war ihre Devise. Sie schaffte mit Leichtigkeit innerhalb einer Woche 17 Minuten. Dann aber entwickelte die Angelegenheit als zäh – bis zum Ende des Urlaubs lautete ihr Rekord gerade 18 1/2 Minuten. Weit entfernt von der Rekordmarke 26 Minuten. Luna fuhr unverzagt heim – die nächsten Ferien kamen bestimmt, und mit ihnen ein neuer Versuch, den Superlativ zu knacken.
Sie wandte sich wieder ihren zwei Männern zu.
Mann 1 (ihr Ehemann) verlangte plötzlich ihre körperliche Zuwendung, schon gar, als sie ihm andeutete, womit ihre Zeit in Rhodos verbracht hatte. Und das zweite „Schon-gar“ bestand darin, dass sie unter Wasser einen Orgasmus nach dem anderen erlebt hatte, sonst wäre sie gezwungen gewesen, viel früher hochzukommen.
Mann 2 (ihr Freund) gab vor, sich für das Ganze (ihre Erlebnisse unter Wasser) nicht zu interessieren – er wollte nur blanken Sex. Mit der Zeit (und Luna konfrontierte ihn immer wieder mit ihren aktuellen Erfahrungen) begann er sich zu faszinieren – und das hatte den einfachen Grund: Sein Ständer war unter diesen Umständen besonders fest und groß.
Mann 1 verlor im Zuge seiner weitläufigen internationalen Kontakte
(under construction)