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DIE JAHRMARKTSATTRAKTION

Brrr! War das kalt! Petra Haselmeier fröstelte an diesem vergleichsweise kalten Tag. Sie hatte bloß einen Bikini an – sie war als Jahrmarktsattraktion unterwegs. Dabei ließ sie sich auf einem Brett nieder, das über Wassertank angebracht war. Das Publikum fand sein Vergnügen darin, Petra mit Bällen herabzuschießen, sodass sie in dem Becken landete. Und dazu musste sie lächeln…

Das gelang heute viel zu oft, viel zu oft. Sie, an sich eine relativ attraktive Blondine, war zu einem Häuflein Elend zusammengeschrumpft. Sie verfluchte den Zeitpunkt, an dem sie mangels gediegener Ausbildung, sich auf diesen Job eingelassen hatte. Dabei arbeitete auf eigene Rechnung – musste auch zusätzlich das Gehalt ihres Assistenten, der ihr beim Auf- und Abbau half und ihr sonst zur Hand ging, aufbringen.

Nach der Vorstellung, als sie wieder trockene Sachen anhatte und im Trainingsanzug eine Tasse Tee genoss, war sie erneut guten Mutes – auch das Wetter schien wieder besser, was für den nächsten Tag eine eher gute Ausgangslage versprach. Ihr „Engagement“ reichte bis morgen – dann mussten sie und ihr Assistent, Oliver Albrechtsberger, weiterziehen.

Oliver hatte es längst aufgegeben, seine Chefin zu sexuellen Handlungen herumzukriegen, und versah seinen normalen Dienst. Petra Haselmeier hatte einen Freund, mit dem sie zwar nicht zusammenlebte, aber den sie innig liebte, und immer dann, wenn Petra und Oliver in der Gegend waren, zog sie bei Theo Kienast ein und die Beiden verbrachten eine heiße Woche miteinander. Da stand Sex im Vordergrund – unterbrochen durch die Mahlzeiten.

Jetzt aber galt es, den letzten Tag ihrer Aktivitäten vor Ort abzuschließen. Die atmosphärischen Bedingungen waren, wie gesagt, günstiger und dennoch erlebte Petra eine böse Überraschung. Die Spielregeln waren nämlich so gestaltet, dass, wenn immer ein Treffer in‘s Schwarze ging, der Besucher so weitermachen durfte, bis eine Niete vorlag. Ein Teilnehmer war hatte heute besonderes Glück (oder war es Geschick). Er hatte einen Lauf und Petra stürzte ständig in das Becken, schwang sich wieder auf das Brett, nur um gleich erneut in‘s Wasser zu stürzen. Wenigstens war es wärmer als gestern – und da war auch der erste Fehlschlag des Besuchers, was ihm die Chance kostete.

Gottlob – und Haselmeier und Albrechtsberger brachen ihre Zelte ab. Sie waren längst überfällig, hatten ihre Zeit überzogen. Da bis zum nächsten Engagement noch etwas Zeit blieb (das Equipment hatte sie in der Obhut Olivers gelassen), entschloss sie sich kurzfristig, bei Theo Kienast vorbeizuschauen. Sie freute unbändig auf ihn. Da er ihr seine Schlüssel überlassen hatte, schloss Petra ohne weiteres auf. Sie war verwundert, dass ihr plötzlich eine nackte Frau gegenüberstand – gefolgt von Theo, ebenfalls hüllenlos.

Die Beiden blickten Petra verständnislos an. – „Ich habe mit Dir keinesfalls gerechnet. Wolltest Du an sich erst nächste Woche hereinschauen?“ – „Ich liebe Dich, verdammt noch einmal – und Du betrügst mich mit dieser Schlampe!“

„Sie ist keine Schlampe, wohlgemerkt!“ – „Damit wäre alles gesagt!“ – Und die Haselmeier empfahl sich grußlos. Theo wollte ihr noch nachlaufen, aber Petra war schneller. Außerdem musste er sich zunächst seine Kleidung zusammensuchen, was ihr einen uneinholbaren Vorsprung verschaffte. Dessenungeachtet weinte sie vor sich hin.

Oliver fragte sie, was los sei. Und da warf sich Petra ihm an den Hals und sagte: „Wenn Du mich noch haben willst – hier bin ich!

Und er entblödete sich nicht – und griff einfach zu. Er war aus ganz anderem Holz geschnitzt als Theo Kienast, viel fordernder als Dieser. Er machte reinen Tisch sowie er sich ihrer sicher war. Petra und Oliver nahmen ihre Tätigkeit wieder auf, aber mit umgekehrten Vorzeichen – Albrechtsberger gab von nun an den Ton vor. Und war nicht gerade zimperlich in seinen Ansprüchen – so hatte er beispielsweise den Mechanismus zugunsten der Teilnehmer der Veranstaltung modifiziert – dergestalt, dass seine Partnerin viel öfter in‘s Wasser fiel.

Haselmeier war‘s egal – sie musste insgeheim noch immer an Theo, an seine ungeheuere Zärtlichkeit, die sich entschieden von jener Olivers abhob, aber das schien endgültig vorbei. Im Gegenteil – Oliver ließ die ganz spezielle Katze aus dem Sack. Er führte eine Nachtvorstellung ein, die nur für erwachsenes Publikum gedacht war.

Da musste Petra sich völlig entkleiden – Bikini ade. Sie hatte nicht einen Faden mehr am Leib. Das machte ihr neuerdings nichts aus – im Gedenken an den untreuen Theo, den sie auf diese Weise zu treffen hoffte. Aber ob er davon überhaupt etwas mitbekam, bleibe dahingestellt. Sei dem, wie dem sei – Petra verlor jede Hemmung und machte mit. Nur an die fallweise Kälte (die bei Nacht noch viel häufiger auftrat) konnte sie sich beim besten Willen nicht abfinden.

Aber Oliver lachte nur dazu: „Ich werde im Bett schon ordentlich einheizen!“, sagte er spöttisch. „Außerdem gibt es zuvor noch etwas Kräftigendes zu essen!“

„Du verarscht mich bloß!“ – „Aber keineswegs!“, erwiderte er, im Vollgefühl, dass er kaum jemals versagt hatte.

Und so tingelten die Beiden durch die Gegend – landauf, landab, wo immer ein Jahrmarkt war. Untertags ganz brav, in der Nacht frivol. Petra liebte Oliver nicht, aber sie gewöhnte sich an ihn, an seine eher rüde Art. Immerhin verlangte er nicht, dass sie mit wildfremden Kerlen schlief.