DER REISESCHRIFTSTELLER
Er war schon überall gewesen – in Europa in Spanien und in Griechenland, in Asien in Japan, im Nahen Osten im Oman und in Ägypten und in Südamerika in Brasilien. Überall dort hatte Ingo von Reményik hatte Spuren hinterlassen, in Form fundierter Reiseberichte, die Land und Leute beschrieben und auch die eine oder andere Anekdote bereithielten.
Eine Solche hatte er im Oman erlebt, als er die Rolltreppe in einem Einkaufszentrum in Mascat hinauffuhr und direkt vor ihm eine tiefverschleierte Dame entdeckte. Unter ihrem schwarzen dünnen Outfit – wie er im Gegenlicht deutlich erkennen konnte – war sie nackt. Neugierig geworden, folgte er ihr.
Sie absolvierte eine Shopping-Tour der Sonderklasse, ging Parfum kaufen, dann in einen Modesalon, wo sie sich einige bunte Kleider zulegte, von denen sie wusste, dass diese niemals in der Öffentlichkeit tragen konnte – der Kreis anderer Frauen einmal ausgenommen. Weiters suchte sie ihre Coiffeure auf – Ingo setzte sich so in ein Café vis-à-vis, wo er scheinbar unbemerkt war. Scheinbar ist das richtige Wort, denn die Dame hatte ihn längst entdeckt, hatte aber nichts gesagt.
Beide holten ihre Autos – das Dranblieben gestaltete sich insofern schwierig, als die Verfolgte einen gesonderten Ladys-Parkplatz benützte. Sie wartete aber – von ihm noch immer nicht wahrgenommen – brav am Eingang des Parkhauses, bis auch er auftauchte. Sie führte ihn zum Ansab Wadi Lake, einem im Sommer ausgetrockneten See. Dort war es einsam und dort sie stellte ihn zur Rede.
„Warum verfolgst Du mich?“ – „Mich hat vor allem Deine Nacktheit interessiert – das war bei Gegenlicht unübersehbar!“ – „Was geht das Dich überhaupt an!“
Jetzt war es an ihm, Farbe zu bekennen. „Mir gehen Deine Formen nicht aus dem Sinn!“
Die Antwort war überraschend. – „Dann komm‘ zu mir nach Hause, wo Du diese Formen noch genauer untersuchen kannst! Übrigens – mein Name ist Leila bin Sa’eed Al-Amoudi!“
„Ingo von Reményik!“, stammelte er, erschlagen ob des Namens: „Muhammad bin Sa’eed Al-Amoudi, das ist doch der gegenwärtige Sultan von Oman!“
„Das müssen wir jetzt nicht klären – setz‘ Dich in Dein Auto fahr‘ mir nach!“ – Gesagt, getan!
Sie führte ihn in eine luxuriöse Wohnung in der Grand Mosque Street. Er war beeindruckt. Sie entledigte sich ungeniert ihres Kaftans und stand völlig entblößt vor ihm. – „Gefällt Dir, was Du hier siehst?“, sagte sie aufreizend.
Er wusste nicht, wo er zuerst hinschauen sollte. Dann blieb er an ihrem Haar hängen – es war feuerrot, ein Erbstück ihrer Mutter, die als palästinensische Hausangestellte gearbeitet hatte (die rote Mähne war ein letzter Überrest eines europäischen Kreuzfahrers). Bis der Sultan sie in jungen Jahren geschwängert hatte. Dann hatte sie ausgesorgt, denn sie musste auf keinen Fall mehr malochen, als „linkshändige“ Frau des Herrschers. Er hatte diese Bleibe gekauft, in der Leila noch immer lebte – ihre Mama war seit geraumer Zeit verstorben.
Hernach war unmittelbar die rasierte Pussy dran, an der er sich nicht sattsehen konnte, so märchenhaft war sie. – „Genug geschaut!“, sagte Leila.
Sie zog einen pinkfarbenen Bademantel an. Danach waren die Beiden ratlos, was zu tun sei. Er schlug einen Film auf Netflix vor. Aber für Leila war das eine verlorene Stunde. Sie erzählte ihm lieber eine Geschichte von der „linkshändige“ Tochter, die zwar sämtliche Privilegien ihres Standes genoss, aber von der Erbfolge ausgeschlossen war.
Dabei riss sie sich gar nicht um ein Leben der Verantwortung als echte Tochter des Sultans (dieser hatte keine männlichen Erben). Aber die legitime Tochter des Sultans, Farah bin Sa’eed Al-Amoudi, die sie bei einem Empfang als hochnäsige Ziege kennengelernt hatte, war ihr auch nicht recht. Aber so war nun einmal die Nachfolge in der monarchischen Herrschaft. Aber genug davon – das interessierte Ingo nur am Rande.
Leila zog ihr Outfit wieder an, wieder ohne Unterwäsche. Dann fuhren die Beiden an das Kap Ra’s al-Hadd, wo die Bin Sa’eed Al-Amoudi einen weitläufigen privaten Badestrand hatten. Dort entledigte sich erneut ihres Kaftans, sodass ihm nichts anderes übrig blieb, als es ihr gleichzutun (und in Ermangelung einer Badehose), und so standen Leila und Ingo am Ende nackt da, was sie in dieser Situation toll fanden.
Dann schwammen sie im Meer, wobei er besonders ihre Schwimm- und Tauchkünste bewunderte, die weit über das hinausgingen, was er auf diesem Gebiet aufweisen konnte. Und dann schliefen sie miteinander – unmittelbar und wild. Ungezügelt, wie sie es gewohnt war. Ingo hatte etwas Derartiges noch nie erlebt, obwohl auf seinen Reisen schon viel untergekommen war – aber ein solcher Aufruhr der Elemente war ihm doch neu.
Leila war beim Sex (und nur beim Sex) wie ein Tier – man kann es nicht anders ausdrücken. Während sie normalerweise – ob in orientalischer oder westlicher Kleidung, wobei sie jegliches Unterzeug wegließ, was man aber nicht sah – halbwegs gesittet unterwegs war, verlor sie unverhüllt beim Geschlechtsverkehr jegliche Façon.
Und sie wollte immer mehr. Bis er nicht mehr konnte.
„Es muss doch ein Einsehen sein! Andere Paare essen bisweilen, und schlafen bisweilen, ohne gleich Höchstleistungen zu vollbringen. Ganz normal schlafen bisweilen und kuscheln, eng aneinander gedrückt!“, sagte Ingo.
Nach einem guten Abendessen und nachdem sie seinen Rat zum Schein befolgt hatte, indem sie an ihn drückte, gewann das Tierische wieder die Oberhand. Da er die kurze Pause benutzt, um zu ruhen, machte er mit. Und los ging‘s erneut mit der animalischen Balgerei, bis die Fetzen folgen und er tiefe Blessuren von ihren Nägeln an seinem Rücken verspürte. Da kratzte er sie seinerseits, sodass ein echtes Blutbad entstand. Dann rasteten die Beide erschöpft aus und leckten ihre Wunden.
Wie lange Ingo diesen Zustand aushalten würde, fragte er sich immer wieder. Diesen grausamen und zugleich märchenhaften Zustand!
(under construction)