AFRIKA
Sie wachte mitten in der Nacht auf, nachdem sie endlos lange bewusstlos gewesen war – im Dschungel Afrikas, der ihr vollkommen unbekannt war. Sie war von lauter schwarzen, grell bemalten, mit einem Lendenschurz bekleideten Leuten umgeben, die in immer größerer Zahl von allen Seiten auf sie einströmten. Sie war einzige weiße Frau, bedeckt mit einen schmalen Loincloth, und wenn sie an sich herunterblicke, war sie über und über mit Tattoos tapeziert.
Sie kannte ihren Namen nicht mehr – obwohl das im Augenblick ihr geringstes Problem war. Sie war total verwirrt – die Fratzen geisterten hin und her, in einer gewaltigen Kakophonie der Phänomene. Es stürzte allzuviel auf sie ein – sie gab sich der misslichen Lage hin, ohne wenn und aber. Es blieb ihr in dieser prekären Situation auch nichts übrig.
Die Menge rückte ihr unablässig näher.
Da hatte sie in ihrer Not die rettende Idee. Sie benützte den Aberglauben, den die Getreuen hingebungsvoll huldigten, um sich als hellhäutige Göttin zu stilisieren.
„Jetzt befreit mich von diesen öden Tattoos, damit ich mich in meiner ganzen Schönheit zeigen kann!“ – Sie sagte es auf Englisch und auf Französisch, in der Hoffnung, dass jemand imstande war, sie zu verstehen.
Und in der Tat – einige Frauen begannen, mit großem Einsatz die Tätowierungen zu säubern, und da stellte sich heraus, dass Naturfarben verwendet worden waren. Den Lendenschurz hatte schon längst abgelegt, da wurde klar, dass ihr Genitale völlig enthaart war – eine Praxis, die bei diesem Stamm zur Gänze verpönt war. Und da wurde ihnen bewusst, dass es sich wirklich um ein höheres Wesen handelte.
„Nana Buruku ist mein Name!“ – Sie hatte mittlerweile den einfachen Dialekt soweit gelernt, dass sie sich verständlich machen konnte. – „Ich bin eine weiße Voodoo-Göttin, ein seltenes Exemplar!“
Da drängten sich die wenigen männlichen Honoratioren mit der – für sie als Würdenträger durchaus ehrenvollen Angebot – Bitte, mit ihr ein Kind zu zeugen, heran. Sie kam da nicht heraus – anderenfalls waren sie fraglos bereit, die Göttin zu verspeisen, als ehrenvolle Alternative. Da suchte sie sich lieber unter den jüngeren Notabeln ein besonders schwarzes Exemplar, das ihr in‘s Auge gestochen hatte. Das musste eine interessante Mischung ergeben – sie groß und blond, er noch größer und mit gekraustem Haar.
Sie schliefen miteinander – und Sandra (jetzt war ihr wieder ihr eigener Vorname eingefallen) brauchte es nicht zu bereuen. Sie schliefen abermals miteinander – in kurzer Zeit, da sie Geschmack aneinander gefunden hatten. Und drittes Mal – Mavungu war unersättlich. Dann aber war eine kleine Pause angesagt – während der er sich wohlig streckte.
Sandra wurde im Verlauf ihrer Schwangerschaft nach Strich und Faden verwöhnt, besonders von den Frauen, aber auch die Männer ließen die Blicke über ihren nackten Körper schweifen. Denn hüllenlos musste sie sein, damit auch Alle die Fortschritte ihrer Gravidität lückenlos beobachten konnten. Nebenbei gesagt, Mavungu profitierte auch seinerseits von der Hochachtung, die der Göttin entgegengebracht wurde. Sie schliefen miteinander bis knapp vor der Geburt.
Das war nicht ganz einfach – schließlich einigten sich Sandra und Mavungu auf eine Seitenlage, in der sie ihn gut spüren konnte und in der er auch nicht zu kurz kam. Es stellte sich – auf Grund des Bauchumfangs – immer stärker heraus, dass eine Doppelentbindung bevorstand.
Dann war es soweit – sie waren kupferfarben, ein Mädchen und ein Junge. Die Frau, die ihnen auf die Welt verhalf, war schlichtweg entzückt von ihrer Schönheit, nachdem sie die Beiden gesäubert hatte. Sandra hatte gleich die Idee, mit den Säuglingen zu verschwinden. Aber wohin? Mitten im undurchdringlichen Dschungel? Das war sinnlos.
Mavungu nahm nach kurzem Innehalten seine Tätigkeit des Aufspießens, wie er den Geschlechtsakt „liebevoll“ nannte („mshikaki“ auf gut Swahili). Das kam bei Sandra jedenfalls weniger okay als früher an. Sie war reserviert, anders als vor dem freudigen Ereignis – aber er setzte seinen Willen durch, was ihm bei ihr nicht unbedingt Pluspunkte einbrachte. Allein, wenn Sandra einmal richtig Fahrt aufnahm, konnte sie nichts mehr aufhalten – dann war sie ebenso wild wie Mavungu, wenn nicht noch stürmischer als er. Sie hatte, was das Sexuelle betraf, alle Schranken der Zivilisation abgelegt.
Sie verlor dessenungeachtet nie die Möglichkeit für ihre Flucht aus den Augen.
(under construction)