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BURLESQUE

Er war manchmal schon müde geworden – fünf Auftritte am Tag, darunter einer am nächsten Morgen um drei Uhr früh. Das zehrte langsam an seinen Nerven, zumal er über Vierzig war. Varro Heller (Künstlername: „Carlo“) hilft sich körperlich gut – er hatte nach wie vor seine professionellen Trainingseinheiten. Sein Personal Coach, schon älter, war in Ehren ergraut und hatte auch zugenommen. Nicht so Varro – er war schlank und rank wie eh und je, und hatte zudem kein graues Haar, auf seinem kurzgeschorenen Kopf.

Und dennoch hatte er zunehmend Probleme mit Dichtheit des Programmes, besonders nachdem er dem Publikum über alle Vorstellungen hinaus eine gleichbleibende Performance abliefern wollte. Und die Chronologie war durchaus anspruchsvoll: Sie begann mit eher harmlosen Demonstration seiner Muckis – da hatte er seine Hosen noch an, nur der Oberleib war frei.

Dann hatte er nur mehr einen goldenen Slip an, der mehr als ausgeklügelt war, indem er sich mit offenem Schritt herausstellte. Varro verbarg einmal sein Geschlecht, mal trug es unverpackt zur Schau. Und dann fiel das Höschen ganz – er fürchtete diesen Moment verteufelt, denn dann kam die Stunde der Wahrheit. Ob er erstens überhaupt eine Erektion hatte, und zweitens, wenn er sie hatte, dann wie lange er sie aufrechterhalten konnte – denn die effektvolle Darbietung dauerte noch reichlich lange.

Und dann kam der Haupt-Gag des Happenings. Er stieg mit Hilfe einer Leiter in ein überdimensionales durchsichtiges Martiniglas, das zum Rand mit Wasser gefüllt war. Die Leiter wurde entfernt, sodass er – hilflos – auf sich allein gestellt war. Das Flüssigkeit war mit einem Schaumstoff versetzt und lieblos, was die Temperatur betraf, von Betreibern der Anlage eingegossen worden. Mal war es saukalt (dass er befürchten musste, seine Latte würde in sich zusammenfallen), mal glühend heiß (dass er Gefahr lief, verbrüht zu werden) – selten war es wohltemperiert und gerade angenehm.

Varro räkelte lasziv in diversen Posen, wobei er immer die Erektion in den Vordergrund rückte – wenn er eine Solche überhaupt hatte. Er hatte das eine oder andere Mal kläglich versagt – dann mussten die Zuschauerinnen – es waren nur wenige Kerle anwesend, aber die waren hauptsächlich schwul – mit dem traurigen Rest begnügen. Mehrheitlich stellte er seinen Mann, dank intensiver und dauerhafter Übungen seinerseits. Er hatte außerdem die kleinen süßen Grübchen auf seinem Gesäß, die fast jede Frau in den Wahnsinn trieb – und er hatte auch nicht die Absicht, dieses Asset aufzugeben. Dazu war der Sport unter anderem gut.

Heller hatte noch eine andere Tätigkeit, die ihm mehr gefiel als sein Hauptberuf, der gewisser Weise langweilig war – nicht für seine Verehrerinnen, da sei Gott vor, weil er sonst arbeitslos wäre. Und es schmeichelte ihm nach wie vor – die Bewunderung, die ihm jeden Tag entgegenschlug, wenn er sich entblößte.

Aber da fehlte doch Irgendwas. Er hatte vor geraumer Zeit die Stelle als freier Lektor bei einem Verlag angenommen – da musste er neue Texte begutachten, ob sie wohl in das Verlagsprogramm hineinpassten und wie überhaupt die Qualität dieser Worte waren. Er hatte lediglich die Befristung seiner Arbeit zu berücksichtigen, alles Übrige war seinem Auftraggeber egal – ob er sich das Konvolut nachts zu Gemüte führen wollte (was für ihn auf Grund seines sonstigen Jobs eher nicht in Frage kam) oder ob er sich das Ganze im Sommer beim Bootfahren, wenn er müßig die Beine in‘s Wasser hängen ließ (um nur ein Beispiel zu nennen) war gleichgültig.

(under construction)