TEQUILA
Die junge Schauspielerin war schockiert. Gleich bei ihrer ersten größeren Rolle sollte sie in einer Szene splitterfasernackt auftreten – der Regisseur verlangte das ungeniert und drängend. Er drohte damit, sie gleich wieder von der Besetzungsliste zu streichen, unter der schon sehr stichhaltigen Begründung, dass da eine „Dame“ (er spuckte das Wort geradezu aus) war, die den Part liebend gerne übernehmen würde.
William von der Weiden, so sein Name, blickte ungnädig auf das Häufchen Elend, das einmal eine Akteurin gewesen war. „Und dass Du mir mit einer gewissen Freudigkeit die Charge spielst – ganz im Gegensatz, wie Du jetzt dreinschaust!“
Cavazza de Cavazzino bereute zutiefst, dass sie als Künstlernamen nicht ein weniger spektakuläres Pseudonym gewählt hatte – sie hieß in Wahrheit Uschi Huber, da war noch weiter Weg zu Cavazza et cetera. Jetzt hatte sie den Salat mit den exotischen Bezeichnungen, mit der man von vornherein eine bestimmte Freizügigkeit assoziierte. Selber schuld.
Sie versuchte, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Ihr Verhalten war äußerlich freundlich, ihr Gefühl war demgegenüber innerlich durch Verärgerung, Frustration oder sogar Enttäuschung geprägt. Sie konnte die Situation nicht ändern und möchte keinen Streit anfangen, wenn sie die Rolle nicht einbüßen wollte. Sie kippte im Vorfeld jede Menge Tequila hinunter, bis sie total betrunken auf dem Set erschien. Nur so vermochte sie, die erzwungene Nacktheit ertragen.
„Mein Name ist Cavazza de Cavazzino und ich mache alles, was mir der Regisseur aufträgt!“ – „So ist es Recht! Nur immer schön die Anweisungen befolgen!“, sagt der.
Nun gab es auch andere Szenen weniger verfänglich waren – der Regisseur stellte sie für den Augenblick zurück, nachdem sich die Cavazza (vulgo Uschi) gerade unter Alkoholeinfluss so „zugänglich“ gezeigt hatte. Der Filmemacher drehte die schlüpfrigen Passagen zuerst ab. Er ließ sie beispielsweise als Hündchen mit Hundeschnauze und mit langen Ohren, auf allen Vieren, ansonsten hüllenlos auftreten. Und anderes mehr – selbstverständlich handelte es sich dabei um reine Kunst der Hochkultur.
Da hatte sie in ihrer Besäufnis eine Idee, wie sie William von der Weiden, den sie inzwischen abgrundtief hasste (und es war ein echter Hass), zu Fall bringen konnte. Die Gelegenheit dazu ergab kurze Zeit später, als er in zwangloser Umgebung in seiner Villa ihr sein zweites geplantes Standbein vorstellte – nämlich sogenannte B-Movies, also reine Pornografie.
Dabei firmierte er unter einem anderen Label (unter „Lili Kraemer“). Er empfand es als besonders würzig, wenn er sich weiblichen nannte – so als ob eine Frau keine Pornos drehen konnte.
(uuder construction)