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DIE BODYBUILDERIN

Sie übte praktisch Tag und Nacht – ihr Trainer war im Laufe der Zeit durch die Härte, mit der sie an die Sache heranging, nahezu überfordert. Martina Taussig (Künstlername: „The Body“) hatte als erste Maßnahme vierzig Kilo abgenommen – bei einer Leibesgröße von 1,85 Meter ein beachtliches Ergebnis. Nun hatte der Aufbau des Körpers begonnen.

Zum Frühstück gab es Haferflocken mit Proteinpulver, Beeren und einer Banane, zum Mittagessen Hühnerbrustfilet mit Reis und Brokkoli, nach dem Training folgte ein Proteinshake, zum Abendessen gab es mageren Fisch und ein frischen Salat, vor dem Schlafengehen war Magerquark angesagt.

Training war geboten – was dazu führte, dass sie mit zwölf sauber ausgeführte Wiederholungen eine deutliche Muskelerschöpfung spürt. Dann machte sie eine Pause, in der Zwischenzeit folgten Meditationsübungen mit Atemanhalten, dabei schaffte sie erstaunliche sechzehn Minuten. Anschließend ging es mit der Muskelertüchtigung weiter – so vollzog das Exerzitium tagtäglich über viele Monate hinweg.

Der Trainer war schwul – so hatte Martina nichts zu befürchten, obwohl es anfangs sie war, die versucht hatte, mit ihm anzubandeln. Er aber war darüber elegant hinweggegangen. Dessenungeachtet reizte er sie, um sie zu Höchstleistungen anzustacheln, auch sexuell, obwohl der tatsächliche Vollzug in weite Ferne gerückt war.

Trotzdem ruhten seine Blicke wohlgefällig auf bisheriges Ergebnis – Martina, die er sozusagen als geistiges Eigentum betrachtete. Und so erfüllte er auch ihren sehnlichsten Wunsch: Bodybuilder sprühen sich bekanntlich vor Wettkämpfen dunkel an (meist werden zwei bis drei Schichten aufgetragen), um ihre Muskeln unter extrem hellen Scheinwerfern sichtbar zu machen. Ohne diese spezielle Farbe würde das helle Bühnenlicht die Konturen verschlucken, und die Körper würden flach sowie unbestimmt wirken.

Ihr inniges Bestreben war es, auch im Training diesen dunklen Tan aufzutragen. Und wirklich – dieser Effekt war durch Ausbuchtung in seiner Hose deutlich zu sehen, und wenn sich Martina auch eingestehen musste, dass es dabei um einen reinen Reflex handelte, freute sie dies besonders.

Sie dachte an ihren Angetrauten Rudolph, bei dem derartige Reflexe seit langem ausgeblieben waren (was nicht bedeutete, dass er sie anderweitig nicht hatte). Die Beiden hatten sich am Ende getrennt – aber nicht nur deshalb: Sie hatten sich einfach nichts zu sagen. Er hatte ihr in kurzen Abstände zwei Kinder gemacht – Rudolph Junior und Susanne, die längst flügge und aus dem Haus waren, versehen mit einer stattlichen Apanage.

Und so war Martina im Alter von Vierzig plus auf das Bodybuilding verfallen. Als erstes hatte sie – wie gesagt – schon unter Anleitung ihres Trainers (sein Name war übrigens Zacharias Zywietz) abgenommen. Nun ging es zunächst zu armseligen Wettkämpfen, wo als Preis die Ehre winkte, gewonnen zu haben. Und anfangs blieb ihr selbst diese Genugtuung versagt – sie strengte sich noch mehr an.

Und siehe da – der Erfolg dieser Bemühungen stellte sich am Ende ein. „The Body“ fand erste Anerkennung, in Form des Meistertitels bei einem kleinen Wettbewerb, wo sogar eine minimale Geldsumme als Preis wachelte. So ging es weiter, Schritt für Schritt, bis sie an einem internationalen Turnier teilnehmen konnte. Das waren andere Kaliber, wie jene, mit denen Martina bis jetzt zu tun gehabt hatte. Das half ihr bloßer Ehrgeiz nicht. Da war echte Präzision bei den Performances gefordert, und auch Einfallsreichtum hinsichtlich der gezeigten Figuren.

Da lohnte es sich fleißig und bis zum Umfallen gearbeitet hatte. Und wirklich, gleich bei ersten internationalen Auftreten räumte sie den Siegesplatz ab. Danach ging es Schlag auf Schlag. Sie stieg zur Berühmtheit auf, die ihren Trainer, Zacharias Zywietz, hinter sich gelassen hatte: Weit gefehlt, sie ließ ihn nicht im Stich, nach allem, was er für sie getan hatte!

Sie eilte von Triumph zu Triumph! Ohne dass sie Zywietz vergaß…

(under construction)