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TANZSCHULE

Ich war als Einzelkind glücklicherweise mit Cousinen ersten und zweiten Grades reich versehen. Mit ihnen hatte ich keinerlei Berührungsängste (darunter war mit einigen von denen mit engerem körperlichen Kontakt). Das Problem war das mit fremden Mädchen – da war ich so schüchtern, wie man sich das heutzutage kaum vorstellen könnte. Mittlerweile war ich Siebzehn.

Meine Mutter sagte: „Eine Tanzschule muss her!“

Ich ging mit drei Schulkollegen, dem Peter, dem Marcus und dem Richard, dorthin – vier waren wir, damit nicht einer von uns ausbüxen könnte. Als dort anlangten, waren jede Menge verlegener Leute anwesend und ich suchte mir als Partnerin die einzige in Frage Kommende aus. Sie überragte die übrigen Damen um Haupteslänge und da ich nicht gerade klein war, war das die entscheidende Option.

Wir stellten uns vor – das wir in der Schule für gutes Benehmen gelernt, die ich mit Elf besuchte hatte und wo ich das erste Mal Gefühle für attraktive Trainerin entwickelt hatte, die selbstverständlich unerwidert blieben. Das tut hier nichts zur Sache – ich wollte es nur erwähnen.

Die Vorstellung war also kein Problem. Meine selbst gewählte Partnerin war unhübsch, wenn auch ein wenig linkisch – aber ich übertraf sie an Unbeholfenheit um Längen.

„Mein Name ist Hannes Sachs!“, sagte ich. „Und wie der Ihre?“ – Mutig geworden, erwiderte sie: „Wollen wir uns nicht einfach ,Du‘ sagen. Mein Name ist Jessica Bachmann!“

„Ein schöner Name: Jes-si-ca! Das regt die Fantasie an!“, sagte ich, plötzlich frech. – „Wie meinst Du das?“, wandte sie ein. – „Genauso, wie ich es sage.“ – Und damit hatten wir ein interessantes Gesprächsthema – oder das, wofür wir es hielten.

Die Tanzschullehrerin ergriff das Wort. Sie war eine eindrucksvolle Persönlichkeit. – „Ich bin die Gretel Gräfin von Gaysruck. Und das ist mein Assistent Rudolf Schuppler!“ – Die Zuschauer stießen sich an – sie dick wie ein Faß, er dünn wie ein Bleistift, sie ausladend, er schmächtig. Ein seltsames Paar.

Neben den üblichen Begrüßungsformeln äußerte die Choreografin etwas ganz Seltsames: „Ich möchte, dass Sie – abgesehen von den üblichen Anfangsschwierigkeiten – das Tanzen genießen!“ – Und wirklich, Jessica und ich waren ein Herz und Seele, nachdem wir uns „eingetanzt“ hatten. Und die unausgesprochene sexuelle Komponente spielte genauso eine Rolle, wie die zunehmende Sympathie zwischen uns.

Die Lehrerin bereitete für uns ein sogenanntes „Kränzchen“ vor, das in den Räumen der Tanzschule stattfand und in noch zwangloserer Atmosphäre als beim eigentlichen Kurs vonstatten ging. Und langfristig war der Besuch eines großen Balls angesagt. Jessica und ich freuten sich darauf: Die rote Robe und der schwarze Smoking lagen auf jeden Fall bereit. Davor (ich meine vor dem Ereignis) musste ich mit meinen Eltern – Franz und Margaretha – noch einen Höflichkeitsbesuch bei Joseph und Romy Bachmann absolvieren zwecks näheren Kennenlernen der Umstände, besonders der finanziellen, die Joseph aus diversen Quellen geschöpft hatte.

Die Überprüfung fiel positiv aus, sodass grünes Licht für den Ball gegeben werden konnte. Ich war persönlich pikiert, ob des Misstrauens, das mir und meinen Leuten entgegengebracht wurde, aber Jessica war besonders nett (was sie unter anderen Umständen nicht so leicht gewesen wäre), und tröstete mich mit den Worten: „So sind meine Eltern eben – sie stellten alles infrage und haben nicht die geringsten Skrupel, das auch öffentlich zu machen!“

Mein Vater und meine Mutter sahen das wesentlich pragmatischer – sie hatten selbst solche Anwandlungen, wenn auch nicht in der ausgeprägten Form wie die Bachmanns. Jedenfalls begleitete mich Jessica in unser Haus und hatten in meinem Zimmer, das für die Eltern tabu war, zum ersten Sex miteinander, unbeholfen zwar noch, aber wir waren tief befriedigt – wir hatten es ihnen allen gezeigt!

Der Gegenbesuch bei meinen Leuten entfiel aus technischen Gründen, worüber wir nicht unglücklich waren. Und Jessica und ich konnten schlussendlich doch an unserem Ball im Hotel Intercontinental teilnehmen.